• Hallo zusammen,
    Wo anders, wenn nicht hier ….
    kann mir geholfen werden bei meiner Frage nach dem "Brieflade-Stempel".

    Bei Sem (BADEN Spezialkatalog 6. Auflage, Seite 326) lese ich zum Stichwort "Brieflade":
    "Bedeutung: Sendung wurde aus einer Brieflade entnommen und beanstandet (Nicht ausreichende Frankatur o.ä.)"

    Ist das eigentlich eine badische "Spezialität" oder gab es Ähnliches auch in Bayern?
    Was war an meinem gezeigten Brief aus dem Jahr 1837 von Heidelberg nach Neckargemünd (Entfernung 1,5 Meilen) zu bemängeln?

    Bisher habe ich auf die verschiedenen Heidelberger Stempel nicht sonderlich geachtet, aber als Heimatsammler sollte man die ja auch beachten …

    Im Voraus vielen Dank und liebe Grüße
    balf_de

  • Lieber balf_de,

    das sehe ich etwas anders ...

    Was Peter Sem schreibt, hat sicher zu Markenzeiten seine Berechtigung, aber nicht in der VMZ. Im beginnenden 19. Jahrhundert wurde die Kundschaft immer anspruchsvoller und wollte ihre Post äußerst zügig abspediert wissen. Wenn man aber als Absender außerhalb der Öffnungszeiten bei der Postexpedition ankam, durfte man eben morgen wieder kommen, oder konnte/sollte seine Post in den Briefkasten werfen.

    An dem Tag ging er halt nicht mehr ab, aber am Folgetag, so dass ich den Stempel Brieflade als 1) Verzögerungsstempel und 2) Argumentationshilfe für die Abgabepost sehe, wenn sich jemand über ungewöhnliche Postlaufzeiten beschwerte.

    Es kam außerdem vor, dass jemand frankieren wollte in der VMZ, aber zu spät war und so einen mit Franko - Vermerk versehenen Brief einfach "unfrankiert" in den Briefkasten warf.

    Dann hatte die Aufgabepost das Problem, dass sie ihn dem Absender (wenn dieser ersichtlich war) zur Korrektur der Adresse zurück geben sollte. Auch dann hätte der Stempel Sinn gemacht.

    In Bayern, das wohl etwas frankophiler war, notierte man "Boite" = Schachtel = Briefkasten manuell. Erst in den 1860er Jahren kenne ich von München "aus der Brieflade".

    Preußen hatte noch den "im Briefkasten vorgefunden", manchmal auch den Vermerk "Kastenbrief" und andere AD - Länder bzw. frühe Reichspoststellen vergleichbare Stempel und Vermerke.

    Liebe Grüsse vom Ralph

    "Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen." Vicco von Bülow aka Loriot.


  • Lieber Bayern klassisch,

    vielen Dank für deine Hilfe! Mir wird bei dieser Gelegenheit wieder einmal klar, dass für mich die Vormarkenzeit nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln ist ….
    Jetzt wüsste ich nur noch gerne, weshalb ein so trivialer Vorgang den Brief so besonders macht, dass er von Herrn Entleert geprüft werden musste und der in den 1970er Jahren große Badensammler Haagen ihm seinen Besitzer-Stempel "verlieh". Oder wurde das Einwerfen in einen Briefkasten damals so wenig praktiziert, dass der "Brieflade"-Stempel eine Seltenheit darstellt?

    Viele Grüße
    balf_de

  • Lieber balf_de,

    ich denke schon, ohne ein Badenkenner der VMZ zu sein oder zu werden, dass die große Masse badischer VMZ - Briefe keine ähnlichen Stempel aufzeigen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Ausgabe eines solchen Stempels nur größeren Ämtern vorbehalten war und dort vlt. nur provisorisch mit ihnen gearbeitet wurde, ansonsten gäbe es ja von Heidelberg, Mannheim, Freiburg usw. zahllose Briefe.

    Liebe Grüsse vom Ralph

    "Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen." Vicco von Bülow aka Loriot.