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181

Friday, September 6th 2019, 4:09pm

Liebe Sammlerfreunde,

in Abschnitt 173 hat Dietmar zu Trostberg interessantes vermerkt und zwei Briefe gezeigt:
Hierzu ein sehr früher Brief aus Trostberg vom 28. Juni 1793 mit "frei" Vermerk, nach Tittmoning im Fürstentum Salzburg. Der Brief wurde sicherlich nach Stein an der Traun gebracht. Dort befand sich eine Kaiserliche Reichspoststation (Thurn und Taxis). Stein war die letzte Kaiserliche Reichspoststation zur Grenze zum Fürstentum Salzburg auf dem Postkurs "München-Salzburg". Interessant ist der beiliegende Zettel des Briefabsenders "Joseph Peter Silveri" aus Trostberg. Vielleicht kann ihn jemand ausdeutschen.


Beste Grüße von VorphilaBayern
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Erdinger

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182

Sunday, September 8th 2019, 12:15pm

Lieber Hermann,

dieser Beilegezettel ist ganz sicher nach dem Geschmack von @filigrana und verrät viel über den Wandel im Geschäftsgebaren dieser Zeit, in der der Geist der Aufklärung langsam auch in der Provinz Fuß fasste. Der Adel, an dessen Sitten sich auch das Bürgertum orientierte, verlor als Vorbild an Bedeutung. Umständliche Höflichkeitsfloskeln ein- wie ausgangs von Briefen kosteten einen Briefschreiber viel Zeit.
Der Zettel bat die Korrespondenzpartner um Verständnis dafür, dass man sich diese Mühe – wie es bereits viele andere im Wirtschaftsleben taten – in Zukunft sparte, und darum, dass man das nicht als Unhöflichkeit auffassen, sondern vielmehr ebenfalls so halten solle.

Viele Grüße aus Erding!
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183

Sunday, September 8th 2019, 12:20pm

Zum Posting #179:

Lieber Ralph,

danke für die Schützenhilfe, so weit alles klar.
Rückseitig wurden also 8 Décimes angeschrieben? Warum wurden dann vorderseitig nur 16 Décimes als Gesamtportobetrag ausgeworfen?

Viele Grüße aus Erding!
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184

Sunday, September 8th 2019, 1:13pm

Liebe Freunde,

wie schon bei Trostberg angesprochen, gibt es auch Briefsammlungen, die nicht offiziell anerkannt waren und in keiner amtlichen Aufstellung auftauchen. Und das, obwohl sie sich in ihrer Art kaum von "anerkannten" unterschieden (Dachau, Deggendorf).

St. Ingbert, heute im Saarland gelegen, von 1816 bis 1920 aber bayerisch, war kein unbedeutender Ort: mehrere Tausend Einwohner, mit Bergbau, Verhüttung und Fabriken, hatte bis 1844 keine eigene Post, so unglaublich das auch klingt. In Michael Englrams Buch „Das Postwesen in der Rheinpfalz seit 1816“ erfahren wir auf Seite 86, wie man sich behelfen musste.

Es bestand ein Privatabkommen der Postverwaltung Homburg mit J. J. Ehrhardt sen. bezüglich einer privaten Briefsammlung. Der gesamte „sehr bedeutende“ Postverkehr vor allem mit den Nachbarstaaten wurde über diese Verbindung abgewickelt, was teuer und zeitraubend war, wie ein Gesuch vom 30. Mai 1843 betonte. „Ehrhardt übergibt nämlich die ihm zur Weiterbeförderung übergebenen Briefe und Pakete dem Kondukteur des Postwagens [Eilwagen Mainz-Saarbrücken bzw. Mallepost Frankfurt-Forbach-Paris berührten St. Ingbert] zur Remission an das 5 Stunden von hier gelegene Postamt Homburg ohne jede zu leistende Garantie.“ Wertbriefe und -pakete für St. Ingbert mussten nach Benachrichtigung gegen Vollmacht oder persönlich in Homburg abgeholt werden. „Z. B. hat ein Brief von Saarbrücken, welcher auf direktem Wege in 2 Stunden auf hierher gelangen könnte, dadurch, daß er erst über Homburg auf hierher gehen muß, einen Umweg von 10 Stunden zu machen und trifft aus dieser Ursache noch einen Tag später ein.“
Nach Saarbrücken (und wohl weiter nach Frankreich) behalf man sich, indem man Briefe und Pakete privaten, täglich fahrenden Bötinnen mitgab, zum Schaden der bayerischen Post.
„Von jedem Briefe, welchen Ehrhardt von der K. Postverwaltung zur Abgabe empfängt, läßt sich derselbe zu der vom benannten Postamte angegebenen Posttaxe noch 3 Kreuzer und von einem Pakete mit oder ohne Wert mehr als das Doppelte als Provision bezahlen.“ Von der bayernweiten Ermäßigung der Portosätze vom 10. November 1842, wonach ein einfacher innerbayerischer Brief nie mehr als 12 Kreuzer kosten sollte, merkte man in St. Ingbert daher nichts.

Dank Andreas Grünewald konnte ich jetzt diesen Brief kaufen, der am 10. November 1841 in St. Ingbert geschrieben und am 12. November in Homburg aufgegeben wurde. Er war nach Oppenweiler in Württemberg gerichtet, nordöstlich von Stuttgart. Bayern notierte 8 Kreuzer, für den badischen Transit wurden 4 Kreuzer fällig. Württemberg schlug 3 Kreuzer auf, bis der Brief beim Adressaten ankam, summierte sich das Porto auf 17 Kreuzer. Wie viel Ehrhardt für seine Dienste berechnete, ist aus dem Brief nicht ersichtlich, er rechnete mit dem Aufgeber wohl privat ab.

Viele Grüße aus Erding!
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185

Sunday, September 8th 2019, 3:43pm

Lieber Dietmar,

# 183

ich weiiß nicht, ob da hinten 8 Decimes stehen, oder 8 Grammes, oder ob es überhaupt etwas postalisches ist. Als Aussteller würde ich es eher ignorieren.
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

186

Monday, September 9th 2019, 10:57am

Lieber Dietmar,

herzlichen Dank für das Zeigen und Beschreiben dieser privaten Briefsammlung in St. Ingbert. Sehr interessant.


Liebe Grüße,
Hermann