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Posts: 798

Location: Bayern

Occupation: Industriemechaniker

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41

Thursday, February 2nd 2017, 6:49pm

....na hier im Forum darfst du ruhig Pfennig ohne PF posten. Aber beim nächsten Treffen bitte Pfennigzeit mit PF. :P

Grüße
Plattenfehler

42

Wednesday, July 10th 2019, 11:47pm

München - Berlin 09.04.1919

Verehrte Sammlerfreunde,
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was soll man zu einem solchen Beleg ohne Inhalt an einen der bekanntesten Politiker des Kaiserreichs und der Weimarer Republik sagen ? Matthias Erzberger (1875 - 1921) hatte als Bevollmächtiger der Reichsregierung zum 11. November 1918 das Waffenstillstandsabkommen von Compiégne unterzeichnet und befürwortete den Versailler Vertragsentwurf als alternativlos gegenüber der drohenden gewaltsamen Besetzung des gesamte Reiches durch alliierte Truppen. Der spätere Bundespräsident Theodor Heuss beurteilte dieses mutige, aber bedenkenlose Verantwortungsbewußtsein des Zentrumspolitikers als sachlich und menschlich fehlerhaft, denn es war Aufgabe der Obersten Heeresleitung (Hindenburg / Ludendorff), die für den Ablauf des Krieges verantwortlich war, auch dessen Ende zu besiegeln.
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Erzberger wurde dies bekanntlich zum Verhängnis, immer häufiger wurde er durch rechte Kräfte als Erfüllungspolitiker und durch die vom OHL in die Welt gesetzte Dolchstoßlegende diskreditiert, welche versuchte, die militärische Verantwortung der Kriegsniederlage auf den zivilen Bereich und dessen Politik(er) abzuschieben. Diese Vorgehensweise fand im rechten Lager immer radikalere Mitstreiter. Einer davon, der aus Neustadt a.d.Haardt stammende ehem. Reichs-Vizekanzler, Staatssekretär des Inneren und späteren Mitbegründer der Deutschnationalen Volkspartei Karl Helfferich (1872 - 1923) bezichtigte Erzberger in mehreren öffentlichen Schriften als Novemberverbrecher, der sich in Ausübung seiner politischen Ämter persönlich bereichern und auch noch Steuern hinterziehen würde.
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Der dagegen geführte - außerordentlich öffentlichkeitswirksame, fragwürdig politikverwobene - Beleidigungsprozess ging nach hinten los. Helfferich kostete er lediglich eine Geldstrafe von 300 Mark wegen Beleidigung, Erzberger das Ministeramt. Er konnte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe später zwar weitestgehend ausräumen. Als er deswegen jedoch seinen Willen zur Rückkehr in die Politik zu erkennen gab, wurde er am 20. August 1921 nach einem zuvor bereits in Berlin gescheiterten Attentatsversuch von zwei Rechtsextremisten auf einem Erholungsurlaub in Bad Griesbach / Schwarzwald erschossen. In der von den Franzosen besetzten Pfalz löste dies bei den Arbeiterräten heftigste Proteste aus. Sie gipfelten im sog. Speyerer Bildersturm mit Zerstörung von Gemälden der ehem. bayerischen Monarchie, welche rechtsgerichtete Kräfte wieder in Amt und Würden gebracht sehen wollten, was den Seperationsbestrebungen der französischen Besatzer "in die Karten spielte".
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Auch der Zeitpunkt der von der Transportdauer zum Berliner Postamt W.9 - Potsdamer Bahnhof her deutlich verzögerten Briefbeförderung war durch gewaltsame Unruhen zwischen den rechts- und linksextremen Lagern geprägt. Als zwei Tage vor Aufgabe am 7. April 1919 die Münchener Räterepublik ausgerufen wurde, musste der aus Ilbesheim bei Landau i.d.Pf. stammenden Ministerpräsident Johannes Hoffmann (1867 - 1930) mit seinem Kabinett nach Bamberg ins Exil. Von dort aus forderte er von Erzberger militärische Unterstützung gegen die vom Revolutionären Zentralrat am 9. April 1919 gebildete Rote Armee an. Von der Barerstraße, dem Standort des Aufgabepostamtes München 43 - Maxvorstadt sind es ca. 2,2 km bis zur ehem. preussischen Gesandtschaft, die bis 31. März 1921 in der Prinzregentenstraße 9 untergebracht war. Noch weitaus näher zur Barerstraße lag aber das Hotel der preussischen Gesandten in der Türkenstraße 83.
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Möglicherweise wurde von dort aus über den aktuellen Hergang der durch den Ausruf der Räterepublik ausgelösten Unruhen an Erzberger berichtet. Die von Berlin nicht anerkannte Räteregierung wurde letztendlich vom 2. auf den 3. Mai 1919 durch Truppen der Reichswehr, der Regierung und Freicorps gewaltsam niedergeschlagen. Das Kabinett Hoffmann wurde danach zwar wieder eingesetzt, aber zum 16. Mai 1920 durch die konservativ-bürgerliche Rechtsregierung unter Gustav Ritter von Kahr (1862 - 1934) abgelöst. Nach der Ermordung von Erzberger trat von Kahr am 12. September 1921 als Ministerpäsident des Freistaats zurück. Auch den späteren Regierungen gelang es nicht, den von ihm begründeten Ruf Bayerns als "Ordnungszelle des Reiches“ herbeizuführen...ganz andere Kräfte hatten bekanntlich begonnen, dem entgegen zu wirken.
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+ Gruß
vom Pälzer
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verwendete Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Erzberger
https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Postbezirke_zwischen_1862_und_1920
https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Hoffmann_(Politiker,_1867)
http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/v1a/sch/sch1p/kap1_2/kap2_46/para3_3.html
http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/v1a/sch/sch1p/kap1_2/kap2_42/para3_4.html
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kabinett_Hoffmann_I,_1919
http://www.geschichtevonunten.de/01_sek-lit/regionen/lu/becker-vaterlandslose_pfaelzer.html
https://www.flickr.com/photos/stadtarchiv_speyer/8182092933
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Lothar_Julius_Graf_von_Zech-Burkersroda
Pälzer has attached the following images:
  • München-Berlin 1919-04-09.jpg
  • Minister Erzberger.jpg
  • München-Berlin 1919-04-09 rücks.jpg

This post has been edited 2 times, last edit by "Pälzer" (Jul 11th 2019, 12:02am)


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43

Thursday, July 11th 2019, 6:18am

Hallo Pälzer,

sensationelle Entdeckung - ich hoffe, nur dir war klar, wer da der Empfänger war. ;)
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

44

Thursday, July 11th 2019, 9:59am

Moin bk,

wenn man sich die Umstände betrachtet, die zum Zuschlag geführt haben, muss man vielmehr fragen, ob sich die Sammlerwelt so richtig darüber im Klaren war.

Viele Grüße
vom Pälzer

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45

Thursday, July 11th 2019, 11:56am

... dass dir das klar war, war mir klar - aber die anderen, die alles in der Bucht und anderswo unter die Lupe nehmen, hatten den wohl nicht auf ihrer Liste - gut so!

Es gab mal einen Russlandbrief von ca. 1867 an "Henry Schliemann in Wurzburg" - da hatte ich auch gedacht, dass ich (fast) keine Konkurrenz zu befürchten brauchte - kleiner Irrtum, auf den bot die halbe Welt und so viele Archäologen unter den Sammlern haben wir ja auch nicht (vom lieben Achim mal abgesehen).
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

46

Saturday, August 10th 2019, 3:29pm

Pirmasens - Eschwege 15.03 + 24.04.1901

Hallo zusammen,
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die beiden anbei zusammen geben ja ein recht nettes Bild ab, nur: Warum wurde bei dem unteren nochmal auf der Zwischenstrecke in KL Durchgang gestempelt ?
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Viele Grüße
vom Pälzer
Pälzer has attached the following images:
  • Pirmasens-Echwege 1901-04-24+03-15.jpg
  • Pirmasens-Echwege 1901-04-24+03-15 rücks.jpg

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47

Saturday, August 10th 2019, 3:56pm

... vermutlich war der untere Brief in einem Briefepaket nach KL dort aufgefunden worden, erst einmal gestempelt und dann schnell weiter ins Reich befördert.
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

48

Sunday, August 11th 2019, 9:46am

Moin bk,
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Du meinst versehentlich aufgefunden ?
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Viele Güße
vom Pälzer

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49

Sunday, August 11th 2019, 2:43pm

.... ja, so ähnlich. Oder sie hatten nur an dem Postabgang Briefe in dieser Richtung bis Kaiserslautern, das wäre auch möglich, aber unwahrscheinlich.
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus