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1

Tuesday, December 20th 2011, 4:43pm

Franco Stadtbrief

Liebe Freunde,

in einem Konvolut war dieser hier verstaut und ich wäre froh, wenn man mich bzgl. des Stempel in blauer Farbe etwas aufklären könnte.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

Michael

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2

Tuesday, December 20th 2011, 5:03pm

Lieber bayern klassisch,

der Stempel wurde beim Berliner Hofpostamt geführt und sollte eigentlich ausdrücken, dass die Gebühr für diesen Ortsbrief bar bezahlt wurde.
Man findet ihn aber immer wieder auch auf frankierten Ortsbriefen (was preislich einen Zuschlag bedeutet), wie bei deinem. Einen rechten Sinn, warum er auf frankierten Briefen zu finden ist, sehe ich nicht. Möglicherweise wurden diese Briefe bei großen Mengen einfach mit abgestempelt.

Es gibt diesen Stempel in schwarz ( 1861-1862 ) und in blau ( 1862-1868 ), preislich besteht zwischen den beiden Farben kein Unterschied.
Als Entwertungsstempel kommt er sehr selten vor.

Viele Grüße
Michael
Preußen mit Transiten

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3

Tuesday, December 20th 2011, 5:06pm

Lieber Michael,

vielen Dank - das Ortsbrieffranko war mit 1 Sgr. ja recht hoch in Preußen, oder muss ich mir das als 1/2 Groschen Franko mit 1/2 Groschen Bestellgeld vorstellen? In Bayern kosteten Ortsbriefe ja umgerechnet nur 1/4 Groschen ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

Michael

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4

Tuesday, December 20th 2011, 5:27pm

Lieber bayern klassisch,

die preußische Post behandelte die 1 Sgr.-Ortstaxe mehr als Taxe (entsprechend den Briefen bis 10 Meilen Entfernung), denn als Bestellgeld.
Aus einer Verfügung von 1850 zu Ortsbriefen:
... da es sich demnach hier mehr um Porto, als um Bestellgeld handelt und der niedrigste Portosatz, auch bei der Stadtpost, 1 Sgr. beträgt, so ist für Briefe der gedachten Art ... 1 Sgr. zu erheben.

Es gab dann ab 1852 die Ermäßigung für Ortsbriefe auf 1/2 Sgr., wenn mind. 25 Stk. aufgeliefert wurden.
Ab 1859 kosteten Briefe, die der Empfänger direkt beim Postamt abholte, nur noch 1/2 Sgr.. Hier sehe ich schon eine Reduktion um das Bestellgeld - im Gegensatz zu der oben zitierten Verfügung. Vielleicht wußte es die preußische Post selber auch nicht so ganz genau einzuordnen. ;)

Viele Grüße
Michael
Preußen mit Transiten

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5

Tuesday, December 20th 2011, 5:49pm

Lieber Michael,

vielen Dank für diese wertvollen Informationen. :)

Es wäre, sorry für "off topic", interessant, einmal die Gebühren der AD - Postgebiete hinsichtlich der Höhe von Franko und Porto bei Ortsbriefen festzuhalten. So gering waren die Unterschiede offensichtlich nicht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

peterhz

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6

Wednesday, December 21st 2011, 8:41pm

Hallo zusammen,
@Bayern klassisch
schöner Brief von. Die Kombination aus blauen Stadtbrief Stempel und schwarzen Aufgabestempel finde ich sehr schön :P

Ein paar Briefe mit diesem Stempel und grüner Frankatur zeige ich auch.
Einmal als Ortsbrief mit der Nr.9
Einmal als Drucksache mit einer 14
und einmal den ungewöhnlich gefalteten Beleg mit einer 14. Hier bin ich einer möglichen Lösung wegen der Faltung näher gekommen. So wurden früher zum Teil die Ortsbriefe gekennzeichnet.

schönen Gruss

Peter
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7

Sunday, February 23rd 2014, 8:20am

Gerade von Rauhut eingetroffen:

Ein Ortsbrief aus Berlin von 1852 als Beleg für die Portoermässigung bei Einlieferung von mindestens 25 Briefen. Die zwei Rötelstriche waren zumindestens zeitweise in Berlin üblich als Kennzeichnung, dass sowohl die Tarifgebühr als auch das Bestellgeld bezahlt waren.

Inhalt: Ein bei F.Ltfass gedrucktes Konzert-Programm

Der Herr Michaelson war übrigensRedakteur des Journals Theater-Horizont.
preussensammler has attached the following images:
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Michael

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8

Friday, March 22nd 2019, 1:43pm

Liebe Freunde,

hier ein Ortsbrief, der keiner war (und daher gut in die Contra-Sammlung passt).
In Berlin bei der Stadtpostexpedition VII in der Schadowstraße aufgegeben. Adressiert war der Brief an eine
Mrs. R. Lomax.
Köpnic
bei Berlin


Der annehmende Postbeamte war wohl etwas unkonzentriert und las nur das unten stehende und unterstrichene Berlin und stempelte Franco Stadtbrief.
Erst bei der Weiterbearbeitung (L1-Stempel auf der Rückseite) fiel der Irrtum auf, der Stadtbrief-Stempel wurde durchkreuzt und der Zielort Köpenick unterstrichen.
Die eigentümliche Schreibweise von Köpenick war sicherlich kein Grund für den Irrtum. Es gibt viele Briefbeispiele von Preußen mit lautmalerisch geschriebenen Ortsbezeichnungen, die fehlerfrei zugestellt wurden.



Gruß
Michael
Preußen mit Transiten

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9

Friday, March 22nd 2019, 3:23pm

Lieber Michael,

Glückwunsch zu dem Sahnestück - wieviele davon mag es heute noch geben? Sicher keine Handvoll und wenn überhaupt, dann sehen sie garantiert nicht so adrett aus, wie deiner hier. :P :P
Liebe Grüsse vom Ralph

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10

Friday, March 22nd 2019, 3:49pm

Hallo Michael,
tolles Stück, gefällt mir gut. Wo du die nur immer auftreibst. Glückwunsch!
viele Grüße
Erwin W.
preussen_fan

Michael

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11

Friday, March 22nd 2019, 9:16pm

Liebe Freunde,

vielen Dank, ich bin auch immer sehr zufrieden, wenn ein Contra-Beleg dann noch attraktiv ausschaut. Ist leider nicht immer so ;)

Gruß
Michael
Preußen mit Transiten

Michael

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12

Sunday, July 7th 2019, 4:59pm

Liebe Freunde,

der materielle Wert des folgenden Briefes liegt so knapp über 0. Der Preis lag im Bereich einer halben Mini-Pizza (um bei der Forumswährung zu bleiben).
Eine leere Briefhülle - nicht datierbar, der Absender nicht kenntlich - aus Stettin an die örtliche Abteilung des Inneren der Regierung.



Ein franco aufgegebener Ortsbrief, bezahlt mit 1/2 Sgr., die Marke rückseitig aufgeklebt.
Durch das rückseitige Verkleben der Marke wird anschaulich gezeigt, dass bei Ortsbriefen die Gebühr eher als Bestellgeld denn als Brieftaxe zu verstehen war. Die Marke wurde auf die überlappenden Briefhüllenenden geklebt und beim Öffnen zerrissen - so wie man es häufig bei österreichischen Reco-Briefen sieht. NB: Die Marke ist Flemming-geprüft! Warum lässt man so etwas prüfen??
Durch die rückseitig verklebte Marke ist der Brief auf die Jahre 1851/52 datierbar.
Für den niedrigen Ortsbrief-Tarif von 1/2 Sgr. gibt es die bekannten 2 Möglichkeiten:
- Aufgabe von mind. 25 Ortsbriefen (möglich ab 1852).
Kenne ich von Gewerbetreibenden. Aber an eine Regierungsbehörde?
- Abholung der Briefe vom Postamt durch den Empfänger.
Behörden hatten ein hohes Postaufkommen, so dass sicherlich ein Bote täglich die Briefe zur Post brachte. Ob er dabei die ankommende Post auch abholte, ist mir nicht bekannt. Wäre hier eine plausible Möglichkeit.

Gruß
Michael
Preußen mit Transiten

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13

Sunday, July 7th 2019, 5:02pm

Lieber Michael,

für einen Marken- bzw. Qualitätssammler ist der Brief nicht mal die erkaltete Kruste eine fast vollständig gegessenen Pizza wert - aber für den Kenner ist er im metyphysischen Sinne unbezahlbar, weil man solche Briefe nicht "en masse" findet, weil sie schon damals nicht massenhaft vorkamen (von der 25er Variante, an die ich auch nicht glaube, mal abgesehen). Chapeau! :P :P
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus