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121

Thursday, June 20th 2019, 4:13pm

Hallo Karl,

das wäre meine 2. Variante gewesen, die sich nun wohl als die einzig taugliche erweisen sollte.

Überfrankaturen sollte man nicht gering schätzen - optisch sind sie (aufgeflogenen) Unterfrankaturen natürlich unterlegen, aber postgeschichtlich darf man solch einen schönen und seltenen Brief keinesfalls dem kennerhaften Publikum vorenthalten.
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

122

Thursday, June 20th 2019, 5:13pm

Hallo Ralph,

doch auch Unterfrankaturen haben ihre Schwierigkeiten, wie die anhängende Ganzsache aus Horgen nach Moskau vom 10.11.1869 zeigt.
In der Schweiz wären 50 Rappen zu frankieren gewesen. Tatsächlich wurde jedoch nur ein 30 Rappen Umschlag ohne Zusatzfrankatur auf die Reise geschickt. Zunächst wurde auch noch PD gestempelt, dann jedoch gestrichen und durch AFFR.INSUF. ersetzt. In Preußen wurde zusätzlich noch "Unzureichend frankiert" gestempelt.
Ich gehe davon aus, dass die Schweiz die kompletten 30 Rappen an Baden vergütet hat und selbst nichts behalten hat. Baden hat 20 Rappen (= 7 Kr.) selbst behalten und 1 Sgr. (= 10 Rappen) über Preußen an Russland weitervergütet.
Da unterfrankierte Briefe wie nicht frankierte zu behandeln gewesen wären, hätten in Russland 30 Kopeken ./. 30 Rappen (= 10 Kopeken), also 20 Kopeken kassiert werden müssen. Davon ist auf dem Beleg jedoch weit und breit nichts zu sehen. Es sieht fast so aus, dass in Moskau gar nichts kassiert wurde.

Grüße von liball
liball has attached the following images:
  • Horgen 1869.JPG
  • Horgen 18690001.JPG

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123

Thursday, June 20th 2019, 6:16pm

Hallo Karl,

in der Tat - aber bei Russland habe ich hier im Forum gelernt, ist nicht immer alles zu sehen. Optisch wurde wohl nichts nachgefordert - auch eine Besonderheit. Es stellt sich auch die Frage, warum die Aufgabepost ihn nicht zur Auffrankatur dem Absender zurück gegeben hat?
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

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124

Friday, June 21st 2019, 9:50pm

Hallo,

zwischen dem Norddeutschen Bund und der Schweiz wurde zum 1.9.1868 ein neuer Postvertrag abgeschlossen, wonach ein einfacher Frankobrief nach Russland 50 Rappen kostet. Hiervon vergütete die Schweiz 40 Rappen (= 14 Kr.) an Baden. Baden wiederum gab hiervon 7 Kr. (= 2 Sgr.) an Preußen (Norddeutscher Postbezirk) weiter, die komplett an Russland zu vergüten waren. Diese Weiterfrankaturen sind gut auf dem Breif nachzuvollziehen.
Jetzt frage ich mich, warum ist dieser Brief aus Genf vom 8.5.1869 mit 90 Rappen frankiert worden. Handelt es sich um eine Überfrankatur oder habe ich etwas übersehen?
Auf der Rückseite ist der Brief völlig blank.

Grüße von liball


Hallo Karl,

toller Brief, den ich auch gerne in meiner Sammlung hätte :rolleyes:

Ich habe folgende Tarife gefunden:

  • Tarifperiode 2: 14.01.1853 - 09.01.1867 über Deutschland 70 Rappen (1.Rayon der Schweiz)
    Tarifperiode 2: 14.01.1853 - 09.01.1867 über Deutschland 90 Rappen (2.Rayon der Schweiz)
    Tarifperiode 2: 14.01.1853 - 09.01.1867 über Österreich 90 Rappen (2.Rayon der Schweiz)
    Tarifperiode 3: 10.01.1867 - 31.08.1868 über Deutschland 65 Rappen (1.Rayon der Schweiz) sehr selten
    Tarifperiode 3: 10.01.1867 - 31.08.1868 über Deutschland 75 Rappen (2.Rayon der Schweiz) sehr selten
    Tarifperiode 4: 01.09.1868 - 24.03.1870 über Deutschland 50 Rappen
    Tarifperiode 4: 01.01.1867 - 30.06.1872 über Frankreich 95 Rappen sehr, sehr selten
    Tarifperiode 5: 26.07.1867 - 30.06.1875 über Deutschland 45 Rappen


Darüber hinaus fand ich folgenden Brief (im Anhang), der aus der gleichen Korrespondenz stammt und ebenso frankiert wurde.
Die Beschreibung des Briefes war Folgende:

"Brief von Genf nach St. Petersburg 30.11.1868. Laut Briefposttarif vom 15.8.1868 - 31.5.1869 je 15g = 90 Cts.( 3x 41 a) Taxe für die Schweiz: 50 Cts. D/Oe/ Russland: 40Cts. Davon 2 Silbergroschen = 29 Cts. an Russland 18.3.1867 Die Ausgabe der 30 Cts. blau als 90 Cts.-Frankatur ist selten, da nur während 9 Monate möglich"

Vielleicht hilft dir das weiter...

Liebe Grüße vom Schweiz-Liebhaber,

Kevin
briefmarkenwirbler24 has attached the following image:
  • RusslandStPetersburg1868.jpg

125

Saturday, June 22nd 2019, 10:13am

Hallo Kevin,

den von dir gezeigten Brief mit dieser Beschreibung habe ich auch bei Philaworld gesehen.
Die Beschreibung kann jedoch nicht stimmen, das beweist schon deine Tarifaufstellung. Meines Wissens lag das Inlandsporto zu dieser Zeit bei 10 Rappen bzw. Ct. + 40 Rp. = 50 Rp.
Zudem hätte es dann eine Portoerhöhung gegeben, wie der anhängende Brief aus Bern vom 22.10.1867 zeigt, der nur mit 75 Rappen freigemacht wurde.

Grüße Karl
liball has attached the following image:
  • Bern 1867.jpg