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621

Sunday, February 24th 2019, 8:17am

Hallo Pälzer,

Glückwunsch zu einer Pfalz - Pretiose erster Güteklasse! Ich kenne nur diesen einen Ballon monté in die Pfalz - diesen!

Was mich sehr wundert - kein Stempel von München und das Fragment könnte gut von Ludwigshafen stammen, wo oft schludrig Ankunft gestempelt wurde. Bei den Briefen aus der Kriegszeit, die ich nach Bayern kenne und habe (ca. ein Dutzend) sind, wenn ich mich nicht irre, immer Münchener Stempel zu sehen. Auf der anderen Seite war das so, weil nur die Hauptbriefpostexpeditionen München und Paris ihre Post miteinander austauschten, also immer ein Pariser Stempel auf einem Bayernbrief und ein Münchener Stempel auf einem Frankreichbrief zu sein hatten (andere Karten schließende Ämter gab es seit 19.7.1870 zwischen Frankreich und Bayern ja gar nicht mehr).

Bei einem Ballon monté - Brief aber war ja Frankreich gezwungen, eben nicht den Kartenschluß Paris - München zu bedienen, sondern ließ nur die Post abgehen nach irgendwohin, wohin der Ballon halt fliegen würde. Erst dort wurde er ja kartiert und via die Schweiz bzw. Belgien im geschlossenen Transit ausgetauscht.

Wenn er dann in Le Mans herunter kam, ist die Leitung über die Schweiz nach München sehr wahrscheinlich, aber ich vermute, dass ihn München zwar gehabt hatte, aber nicht abstempelte, weil er eben nicht im eigenen Postbeutel einlangte (von Paris). Eine andere = bessere Erklärung habe ich nicht ...
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

622

Sunday, February 24th 2019, 8:32am

Hallo Pälzer,

herzlichen Glückwunsch zu dieser allergrößten Rarität.



Beste Grüße von VorphilaBayern

623

Sunday, February 24th 2019, 9:59am

hallo Pälzer,

und wiedermal ein toller Beitrag von dir zu diesem Ausnahmebeleg. Machte am Sonntagmorgen wieder Lust bei Moltke vorbeizuschauen :)

besten Gruß
Michael

624

Sunday, February 24th 2019, 10:12am

Hallo zusammen,

und erst einmal vielen Dank für das feedback!

Wie hier schon etwas zuvor und im Rundbrief letzten Jahres vorgestellt, handelt es sich zwar um bereits meinen zweiten Ballonpostbrief in die Pfalz (erster war der mit Beförderung der wegen Schneesturm nach Preußen abgedrifteten "LA VILLE DE PARIS"), aber es geht um die Erforschung des Hergangs der Dinge, was insbesondere Transport und evtl. Zensur anbelangt.

Deswegen wäre es schon interessant zu wissen, ob diese Briefe auch wirklich in Ludwigshafen zugestellt wurden. Einen belastbaren Beweis habe ich mit dem ersten Beleg nicht gehabt, mit dem hier sieht es leider nicht wesentlich besser aus. Oder kann/darf man das Stempelfragment auf der Rückseite danach deuten ?

Zu den Leitwegen: Irgendwoher hatte ich einmal gehört, dass der Austausch der Kriegsgefangenenpost zunächst zentral über München und dann über die neutrale Schweiz erfolgte. War es so dann auch mit der "normalen" Post ?

Über Belgien wird mit zunehmender Okkupation Nordfrankreichs immer schwieriger, wenn nicht gar irgendwann ab Ende Dezember 1870 unmöglich gewesen sein.

Es wäre sehr interessant hier noch weitere Belege mit entsprechenden Durchgangsstempeln sehen zu dürfen, welche die Leitwege dokumentieren.

Viele Grüße!

Vom Pälzer

This post has been edited 2 times, last edit by "Pälzer" (Feb 24th 2019, 10:34am)


1870/71

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625

Sunday, February 24th 2019, 1:00pm

Hallo Pälzer,

ich halte das Stempelfragment auf der Briefrückseite für den Negativabschlag des PD-Stempels.

Kurz etwas zu den Leitwegen. Die Posttransporte der Norddeutschen Post liefen während des
gesamten Krieges über verschiedene Routen über Nordfrankreich. Es hat keine Unterbrechung
stattgefunden.

Viele Grüße

1870/71

626

Sunday, February 24th 2019, 3:22pm

Hallo 1870/71,

das mit dem PD- Durchschlag kommt mir jetzt wo ich es von Dir höre sehr sehr schlüssig vor. Was sagst Du zu dem Thema Zensur auf dem Postwege ? Gab es sie ? War sie organisiert ?
Wurden Briefe durch sie aufgehalten ?

Es fällt halt langsam schon auf, dass beide Ballonpostbriefe, die hier nun vorliegen, alle keinen Ankunftsstempel tragen. Bei dem von der nach Preussen abgedrifteten "LA VILLA DE PARIS" kann man das ja noch verstehen, da deren Beutepost letztendlich nach Koblenz auf die Festung kam.

Bei "LE DENIS PAPIN" darf man aber von einem regulären Transport über neutralen Boden nach Bayern ausgehen, so dass sich mir hier die Frage einer evtl. in den Postweg "eingeklinkten" Zensur stellt.

Viele Grüsse

vom Pälzer

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627

Monday, February 25th 2019, 7:52pm

Hallo Pälzer,

Bismark wies am 16. November 1870 das General-Post-Amt an, alle Ballonpostbriefe bis nach dem Krieg zurückzuhalten.

Am 20. Dezember 1870 hat das GPA München darüber unterrichtet, wie Berlin Briefe aus Paris behandle.

Wir können davon ausgehen, dass sich München der Berliner Vorgehensweise anschloss.

Gruß

1870/71

629

Sunday, March 24th 2019, 8:24pm

Raum Paris - Freinsheim 01.05.1871

Hallo Sammlerfreunde,
.
ein Beleg aus der Okkupationszeit konnte von hier aus leider noch nicht vorgestellt werden ...bis heute. Der anbei wurde am 1. Mai 1871 ins pfälzische Freinsheim aufgegeben und entstammt von einem Angehörigen des Königlich Bayerischen 10. Jägerbataillons (Stammgarnison Aschaffenburg - Kommandeur Major Emil Freiherr von Wulffen). Das Bataillon wurde am 1. Juli 1868 aus Einheiten und Teileinheiten des 4., 5., 8. und 15 Infanterie-Regiments gebildet und unterstand der Königlich Bayerischen 7. Infanterie-Brigade (Generalmajor von Thiereck) im Königlich Bayerischen II. Armeekorps (General der Infanterie Ritter von Hartmann).
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Es nahm an den Schlachten von Weißenburg, Woerth-Froeschwiller und Sedan teil , danach wurde es bei der Belagerung von Paris eingesetzt und zeichnete sich dort insbesondere bei dem Gefecht von Châtillon südlich von Paris aus. Dort unternahm die französische Besatzungsarmee am 13. Oktober 1870 einen ihrer zahlreichen Ausfallversuche, indem sie die Anhöhe bei Châtillon angriff, um die dort stationierten deutschen Geschütze zu erobern und einen Rückzug zu erzwingen. Man konnte auch den Ort Châtillon kurz einnehmen, doch ein Gegenangriff unter General von Hartmann u.a. mit dem bei Bagneux in Alarmierung gebrachten 10. Jägerbataillon klärte die Situation noch bis zum Abend des gleichen Tages.
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Nach Vereinbarung der Friedenspräliminarien am 26. Feburuar 1871 marschierten am 1. März 1871 deutsche Truppen in der Stärke von rd. 30.000 Mann nach Paris ein, Kaiser Wilhelm I. nahm auf dem Longchamps die Parade ab. Unter anderem dabei: Das Königlich Bayerische 10. Jägerbataillon ! Was muss in unserem Briefverfasser, dem Heinrich Heiner dabei vorgegangen sein, d.h. auch nach Ratifikation des Friedens-Präliminarvertrags zwei Tage später, als die deutschen Truppen unter z.T. wüsten Beschimpfungen der Bevölkerung wieder aus der französischen Hauptstadt abzogen ?
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Nach der Kapitulation von Paris waren in Frankreich rund 800.000 Mann stationiert, trotz Präliminarfriedensschluss belief sich ihre Gesamtstärke Ende Mai immer noch noch auf rund 545.000 Mann, weil eine ursprünglich beabsichtigte stärkere Truppenreduzierung wegen der Vorgänge in Paris im Zusammenhang mit dem Aufstand der Commune im Zeitraum vom 18. März 1871 bis 28. Mai 1871 nicht realisiert werden konnte.
,
Erst nach dessen Niederschlagung und dem darauf folgenden Frieden von Frankfurt am 10. Mai 1871 konnte das Königlich II. Bayerische Armeekorps u.a. mit seinem 10. Jägerbataillon aus Frankreich abgezogen werden. Am 2. Juni 1871 ging es über Bar-le-Duc - Nancy - Haguenau - Woerth - Maximiliansau wieder zurück in die heimatlichen Stammgarnisonen. Bis zur Begleichung der Kriegsreparationen blieben noch Gebiete im Osten Frankreichs unter deutscher Besatzung. Nach der Zahlung der letzten Rate verließen am 16. September 1873 die letzten deutschen Truppen französisches Territorium.
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Viele Grüße
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vom Pälzer
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verwendete Quellen:
https://www.perspectivia.net/publikationen/phs/levillain-riemenschneider_guerre/malettke_besatzung
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6niglich_Bayerisches_10._J%C3%A4gerbataillon
Pälzer has attached the following images:
  • Paris-Freinsheim 1871-05-01.jpg
  • Paris-Freinsheim 1871-05-01 rücks.jpg

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630

Sunday, March 24th 2019, 8:31pm

Hallo Pälzer,

sehr schön - jetzt noch den Tippfehler in der 2. Zeile (1870, statt 1871) retuschieren und es ist eine perfekte Vorstellung.
Liebe Grüsse vom Ralph

Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

631

Sunday, March 24th 2019, 8:36pm

jetzt noch den Tippfehler in der 2. Zeile (1870, statt 1871) retuschieren

...erledigt, ich bin halt noch Anfänger mit der Okkupationszeit :thumbsup:


Viele Grüße
.

vom Pälzer

632

Yesterday, 11:02pm

Kuhardt - Eschwege 03.08.1870

Verehrte Sammlerfreunde,
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wieder einmal streift uns in diesem thread ein Hauch von Geschichte und da es im vorliegenden Fall so dermaßen bemerkenswert daherkommt, nehme ich es einfach mal vorweg: Noch während des zunächst recht gelassenen Verfassens der anbei abgebildeten Feldpostkarte erfolgte für den Absender überraschend am 2. August 1870 um 7 Uhr morgens die Alarmierung seiner Einheit für das erste große Gefecht am 4. August 1870 mit dem allgemein bekannten Erfolg der ersten gesamtdeutschen Armee bei Wissembourg.
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Aufgabeort war das kleine Dörfchen Kuhardt, welches nicht unweit des Rheins sowie ca. 25 km entfernt von der französischen Grenze liegt. Der Verfasser Second-Lieutenant W. Döhle war Angehöriger im 2. Bataillon des 32. Thüringischen Infanterieregiments (Fritzlar / Eschwege) und damit der 22. Infanterie-Division (Generalleutnant von Gersdorff) im XI. Armeekorps (Generalleutnant Julius von Bose) der III. Armee (Kronprinz Friedrich Wilhelm) zugeordnet.
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Das Regiment war am Nachmittag des 26. Juli 1870 planmäßig mit der Bahn in Landau eingetroffen und marschierte im strömenden Regen unverzüglich weiter in die Quartiere bei Leimersheim und Kuhardt. Nach der durch grenznahe Truppenbewegungen des Gegners verursachten Alarmierung am 2. August 1870 rückte es gegen 9.30 Uhr Richtung Herxheim und Rohrbach vor, wo bei äußerst ungünstiger Witterung im freien Feld ohne Stroh biwakiert werden musste.
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An einen Weitermarsch war am Folgetag nicht zu denken. Am 4. August wurde dann um 3.30 Uhr aus dem Biwak aufgebrochen und - immer noch im strönenden Regen - durch den Bienwald gegen die Grenze vorgerückt, die bei nun schwüler Hitze gegen 11 Uhr überschritten wurde. Hier hörte man schon deutlich das Artilleriefeuer des sich seit etwa 8.00 Uhr entwickelnden Gefechts. Etwas später, als man östlich von Weissenburg aus dem Haardtwald hervortrat war die Entscheidung bereits gefallen, Wissembourg von den deutschen Truppen besetzt.
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Der kommandierende General des Gegners Abel Douay fiel gegen Nachmittag in seinem Hauptquartier auf dem Geissenberg. Ein Eingreifen des durch die Strapazen der Tage zuvor gezeichneten 32. Thüringischen Infanterieregiments war insofern nicht mehr erforderlich. Nach kurzem Biwak im Raum Riedselz ca. 5 km südlich von Wissembourg ging es dann jedoch zügig weiter Richtung Hohwiller, wo man am 5. August Biwak bezog. Am 6. August erreichte die Einheit gegen 10 Uhr Surbourg, dem "Einfallstor" zur zweiten großen Grenzschlacht bei Woerth-Froschwiller.
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Das 2. Bataillon unseres Absenders kämpfte unter dem Befehl von Oberstleutnant von Zacha bei Morsbronn-le-Bains u.a. gegen das fürchterliche Feuer französischer Mitrailleusen, das Regiment verzeichnete nun die ersten Verluste des Krieges (9 Offiziere, 10 Unteroffiziere und 248 Mann), welche im Gegensatz zu denen des Gegners noch "überschaubar" waren. Weitere Beteiligungen im späteren Kriegsverlauf erfolgten bei der Entscheidungsschlacht von Sedan am 1. September sowie bei zahlreichen Gefechten um Paris, Orleans und Le Mans.
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Nun aber zum Inhalt der in außerordentlich vorzüglichem Zustand ohne die übliche Mittelfaltung erhaltenen Feldpostkarte:
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Feldpostbrief
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Abs. Doehle Lieuten. 32. Rgt.
An Herrn Dr. Bindzeil Eschwege - Pr(eussisch) Hessen
Kuhardt 2/8/70
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Besten Dank für Deine Briefe Nachrichten aus Eschwege, da würdest Du mich verpflichten, wenn Du Dich nach den Bestimmungen in meiner Angelegenheit (Du weißt ich meine die von Dir im Briefe erwähnte) genau erkundigen wolltest. Gefecht noch nicht gehabt, vielleicht morgen, heute Nacht rücken wir ab. Stimmung der Pfälzer sehr preußenfreundlich, Quartiere schlecht, lag einen Tag mit 15 Mann 1 Katze mit Jungen und 2 brütenden Hühnern zusammen. Entschuldige meinen krudel (< ?) witzigen Stil, muss zum Dienst.
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ALARM GESCHLAGEN - SOFORT AB
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Herzlichen Gruß Dein W. Döhl.
Viele Grüße
vom Pälzer
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verwendete Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/2._Th%C3%BCringisches_Infanterie-Regiment_Nr._32
https://archive.org/details/geschichtedesth00unkngoog/page/n108
Pälzer has attached the following images:
  • Kuhardt-Eschwege 1870-08-03.jpg
  • Kuhardt-Eschwege 1870-08-03 Regimentsfahne 32. thür. Rgt..jpg
  • Kuhardt-Eschwege 1870-08-03 rücks.jpg

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