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Erdinger

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41

Sunday, August 6th 2017, 7:29pm

Verehrte Freunde,

ich komme noch einmal zurück auf den Vorschlag mit dem Rundbriefartikel. Dabei kommt es gar nicht darauf an, ob einem die Stücke alle selbst gehören (ein Historiker muss die ausgewerteten Akten ja auch nicht selbst besitzen, sondern geht ins Archiv). Hauptsache, man kann die Quelle angeben, und Auktionshäuser und Sammlerfreunde sind in der Regel sehr kooperativ. So sehr ich die Arbeit von Lentner schätze, so schade finde ich, dass danach nicht mehr viel kam, obwohl die Grundlagen für eine Briefauswertung existierten. Ich bitte darum, einfach noch einmal darüber nachzudenken.
Ich finde sehr spannend, was bisher gezeigt wurde.

Viele Grüße aus Erding!
Achter Kontich wonen er ook mensen!

traumsand

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42

Monday, August 7th 2017, 8:57am

Von einem Sammlerfreund aus dem Desinfektionspost-Forum bekam ich den Hinweis, dass es einen Paketschluss Innsbruck - Augsburg über Reute und Füssen gegeben haben soll. Er gibt als Quelle Karl Huber: "Die asiatische Cholera und das Briefräuchern in Bayern 1831/32" an, die mir jedoch nicht vorliegt. In "Vorphilatelie" (Band 2, Helbig, S. 44) wird dieser Paketschluss für den Vertrag von 1819 nicht erwähnt. Kann mir jemand auf die Sprünge helfen?

Desweiteren hat er mich auf einen interessanten bei Köhler versteigerten Beleg (Los 4334) aufmerksam gemacht, der von Glauchau (Sachsen) nach Kempten lief und der neben den Desinfektionsstempel von Hof ("GEREINIGET IN HOF I.V.") auch den roten allgemeinen Stempel trägt.

https://www.heinrich-koehler.de/de/_auct…show_all_lots=1

-.-.-.-


Hallo Erdinger,

Du hast recht, wenn man Forschung betreibt, kann man nicht alle Belege selbst besitzen. Das Problem liegt wohl eher bei Leuten die ausstellen wollen.

Beste Grüße
André

This post has been edited 1 times, last edit by "traumsand" (Aug 7th 2017, 9:12am)


Erdinger

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43

Monday, August 7th 2017, 12:11pm

Hallo traumsand,

Der Beitrag von Karl Huber erschien im Rundbrief der Arge Bayern (klassisch) Nr. 50 (2008 ), S. 2923–2927.

Wenn der Sammlerfreund sein Einverständnis gibt, könnte ich ein PDF schicken.

Viele Grüße aus Erding!
Achter Kontich wonen er ook mensen!

traumsand

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44

Thursday, August 10th 2017, 8:33pm

Hier noch einmal der Brief von Glauchau nach Kempten aus der Köhler-Auktion (Quelle: 357. Auktion, Los 4334) der nahe legt, dass in Augsburg tatsächlich desinfiziert wurde. Die erste Reinigung an der bayerischen Grenze fand in Hof statt, wie der Stempel "GEREINIGET IN HOF I.V." belegt. Da es keine weitere Grenzpassierung gab, wäre eine denkbare Erklärung, dass das bayerischen Sanitätssiegels in Augsburg aufgebracht wurde.

Der Brief zeigt rückseitig keine sächsische Taxierung. Der Auslagen-Stempel mit den vermerkten 5 Kr. CM rheinisch wurden wohl in Hof vermerkt. Nach welchem Tarif geschah dies?
Die 16 Kr. CM rheinisch entsprechen der Beförderungsgebühr von Hof nach Kempten (42-48 Meilen). Somit hatte der Empfänger 21 Kr. CM rheinisch zu entrichten.


Beste Grüße
André
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  • Brief_Glauchau_Kempten_VS.jpg
  • Brief_Glauchau_Kempten_RS.jpg
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45

Friday, August 11th 2017, 10:26am

Hallo Andre,

in Bayern war nicht die Conventionsmünze (20 Guldenfuß) im Umlauf, sondern der rheinische Kreuzer (24 1/2 Guldenfuß). Das Gesamtporto betrug somit 21 Kr. rhein. Die Conventionsmünze (C.M.) war in Österreich im Umlauf.
Das sächsische Porto von Glauchau nach Hof lag im 2. Rayon und nach der sächsischen Taxordnung 1823, gültig ab 1.4.1823 bis 31.12.1840, und betrug damit 1 Groschen, umgerechnet in 5 Kr.
Angehängt habe ich noch einen Brief, der ebenfalls wie der Brief aus Glauchau doppelt desinfiziert wurde. Das erste Mal in Semlin und dann noch in Bayern. Hier ist nur die Frage wo, entweder in Freilassing oder in Passau.
Der Brief wurde am 10.11.1831 in Constantinopel geschrieben und lief über Belgrad, Semlin, Wien und Linz nach Verviers.
Bayern hatte an Österreich 20 Kr. C.M. Transit zu vergüten (Art. 9a, PV Bayern-Österreich v. 1819). Nach Art. 19 B.7 des PV Bayern-Preußen v. 1816 erhielt Bayern von Preußen 40 Kr. (= 9 gGr.). Obwohl Preußen sein Münzsystem 1825 auf Silbergroschen umstellte, wurde die Forderung gegenüber Belgien, analog Art. 35 des PV Preußen-Niederlande v. 1817, immer noch mit 11 gGr. beziffert. Von Belgien wurde der Gegenwert für 11 gGr., nämlich 14 Sgr. an Preußen rückvergütet. Zusammen mit dem belgischen Inlandsporto von 10 Cent bezahlte der Empfänger insgesamt 95 Cent.

Grüsse
Karl
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  • Constantinopel 1831.jpg

traumsand

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46

Friday, August 11th 2017, 10:43am

Hallo Karl,

vielen Dank für die Berichtigung und Ergänzung zu meinem Beitrag. Desinfizierte Briefe aus der Türkei nach Verviers / Francomont sieht man recht häufig. Da fast alle jedoch nicht aus 1831/32 stammen, wurden sie nur in Semlin desinfiziert. Dieser Brief ist insofern ein echtes Schmuckstück!

Zum Leitweg kann ich wenig beitragen. Wenn er über Linz lief, könnte die Desinfektion in Neuhaus erfolgt sein.

Beste Grüße,
André

traumsand

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47

Sunday, August 13th 2017, 7:03am

Nachfolgend ein Brief von Pesth nach Mainz aus der Ausstellugssammlung von Hedy Faibel, eines Sammlerfreundes aus Israel. Der Brief wurde zweifach desinfiziert. Zum einen in der Kontumaz-Anstalt in Bruck a.L., die Teil des inneren Kordons zum Schutz von Wien war, zum anderen an der österreichischen Grenze bei Passau.

Der Brief wurde bis zur österreichischen Grenze mit 24 Kreuzer C.M. frei gemacht. Auf der Briefvorderseite finden sich keine Taxvermerke. Der Empfänger war ein Soldat der österreichischen Einheit des K.K. Linien-Infanterie-Regiments Nr. 49 Baron v. Langenau, welches lt. Feuser von 1824-1837 in der Bundesfestung Mainz stationiert war. Ist es möglich, dass der Brief daher in deutschen Landen portofrei befördert wurde?

Beste Grüße,
André
traumsand has attached the following images:
  • Mainz.jpg
  • Pesth_to_Mainz.png

48

Sunday, August 13th 2017, 8:40am

Hallo Andre
Es sind 14 Kr. CM.
Seit 30.6.1816 war die Festung gemeinsame Eigentum des Deutschen Bundes und ein Recht auf Friedensbesatzung stand Österreich, Preußen und Hessen. Im J 1819 wurde in Mainz ein Militärpostamt aktiviert der Postdirektion Linz unterstand. Portofreiheit war für Amtliche Korrespondenzen, wie Heimastkommandos oder Ämter vorgesehen, das bedeutet ein Portofreie Brief wehre als Portofrei schon abgesandt (MP Stempel – Militär Post, Exoffo, In Deutsche Bundessache usw.)
Könnt ihr rauslesen was unten dem Siegel steht und vom wem der Wachssiegel stand?
LG A
"Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."
W. v Humboldt

49

Sunday, August 13th 2017, 9:47am

Andre, in Forum sind zwei Briefe an gleiche Adresse
Österreich - Thurn und Taxis
Der zweite: Franco Grenze und Linz auf die Rückseite.
Alle drei Briefe würden gleich behandelt und liefen über Linz.
Auf dem Brief deines Freundes kann der verdeckte Stempel auch von Linz sein.
Nach dem Vergleich schaut es so aus das ab Österreichische Grenze eine Portofreie Postverbindung an diese Adresse existierte, auch wenn es sich um keine Militär oder Amtsbriefe handelte.
LG A
"Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."
W. v Humboldt

traumsand

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50

Sunday, August 13th 2017, 10:32pm

Hallo filigrana,
vielen Dank für die tollen Hinweise! Nur seltsam, dass der Brief nicht auch in Österreich portofrei lief. Ich schau mal, ob ich etwas über den Absender in Erfahrung bringen kann.
Beste Grüße,
André

traumsand

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51

Tuesday, August 15th 2017, 6:06pm

beim Brief von traumsand muss es sich um einen schweren Brief gehandelt haben. Leider ist nicht die komplette Rückseite sichtbar, da hierauf vermutlich das österreichische Franko geschrieben wurde. Hieraus könnte dann das Gewicht des Briefes abgeleitet und dann die Taxen entsprechend der Postverträge entwickelt werden.

beim Brief von traumsand muss es sich um einen schweren Brief gehandelt haben. Leider ist nicht die komplette Rückseite sichtbar, da hierauf vermutlich das österreichische Franko geschrieben wurde. Hieraus könnte dann das Gewicht des Briefes abgeleitet und dann die Taxen entsprechend der Postverträge entwickelt werden.


Nachfolgend nun die komplette Briefrückseite zu dem in Beitrag 27 vorgestellten Beleg von Triest nach Francomont.

Beste Grüße,
André
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52

Monday, April 8th 2019, 1:12am

Hallo
ich habe hier einen Brief aus Oesterreich, Klattau (heute Klatovy in der Tschechei) nach Koeln.

Ich denke es ist klar dass der Sanitaetsstempel (Feuser 50) in Waldmuenchen abgestempelt wurde, das sind ja fast Nachbarsorte.

Aber wegen der Taxvermerke bin ich mal wieder auf offenem Meer. Was gehoert zu was? Ich sehe eine 8, eine ganz kleine 4, und eine 5 (aber das muss schon nicht stimmen).
Wenn ich mich nicht irre, waren hier 1831 mehrere Postbetreiber involviert: Oesterreich, Bayern, T&T und Preussen ... der Querstrich uber das ganze Kuvert bedeutete "Halbfrei aus Oesterreich"? Ich sehe auch ein (franco) Nuernberg ...

Viele Gruesse
Andreas
AndreasCairo has attached the following images:
  • 21608.jpg
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53

Monday, April 8th 2019, 1:16am

Noch eine Frage... ich dachte ich haette irgendwo einen "Holzstich" einer Raspel gesehen, mit welchen die Briefe geloechtert wurden. Aber ich kann dieses Bild nicht mehr finden. Hat jemand eine derartige Illustration?
Vielen Dank
Andreas

Erdinger

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54

Monday, April 8th 2019, 10:57am

Hallo Andreas,

gib mal bei Google die Schlagworte "Rastel Cholera" ein und schau, was unter "Bilder" kommt.
Z.B. hier.

Viele Grüße aus Erding!
Achter Kontich wonen er ook mensen!

55

Monday, April 8th 2019, 12:04pm

Hallo Andreas,

aufgrund des Grenzfrankozwanges von Österreich musste der Absender das Franko bis zur österreichisch-bayerischen Grenze bezahlen. Daher müsste auf der Rückseite eine Ziffer stehen.
Bayern stand nach dem PV mit Preußen von 1816 eine Transitvergütung von 5 gGr. (= 20 Kr.) zu. Das Gesamtporto in Preußen belief sich auf 8 1/4 Sgr.
Bayern beharrte bis zum neuen Vertrag 1834 auf Gutegroschen, da dies im Vertrag 1816 so vereinbart war. Der Transit durch das taxissche Gebiet ist auf dem Brief nicht ersichtlich. Bezahlen musste ihn Bayern aus der von Preußen erhaltenen Vergütung.

Grüße von liball

56

Monday, April 8th 2019, 11:50pm

Hallo Andreas,

gib mal bei Google die Schlagworte "Rastel Cholera" ein und schau, was unter "Bilder" kommt.
Z.B. hier.

Viele Grüße aus Erding!


Hallo Detlef!
vielen Dank, genau das hab ich gesucht. Ich dachte ich waere gut im "googlen"... aber es reicht manchmal dann doch nicht. Ich frag mich aber immer noch in welchen, unlaengst gekauften Buch, ich genau dieses Bild gesehen hatte.

Wird schon werden, so oder so"

LG
Andreas

57

Monday, April 8th 2019, 11:57pm

Daher müsste auf der Rückseite eine Ziffer stehen.

Hallo,

vielen Dank fuer die Beschreibung. Auf der Rueckseite, wie abgebildet, ist keine Ziffer fuer die Oesterreichische Seite vorhanden. Ebenso fehlt demnach T&T.
Kann so ein Brief auch "geschlossen" befoerdert werden und daher wird der T&T nicht bezeichnet? Er war ja auch "Seuchengefaehrdet.

Viele Gruesse
Andreas

58

Tuesday, April 9th 2019, 11:27am

Hallo Andreas,

der Brief wurde im geschlossenen Amtspaket von Nürnberg nach Coblenz im stillen Transit durch das taxissche Gebiet spediert.

Grüße von liball

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