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Friday, September 19th 2014, 4:45pm

Die Kontinentalsperre 1806-1814

Hallo Freunde

Die Kontinentalsperre hat eine enorme Auswirkung auf den Postverkehr gehabt.

Der erste Brief zeigt wie es war vor die eigentliche Kontinentalsperre bei Briefe aus Frankreich nach England. Obwohl den direkten Weg zwischen diese Länder gesperrt war, war es möglich durch Umwege den Post zu benutzen um Briefe zu befördern. Thurn & Taxis hat schon lange eine Verabredung und war für die Postauswechslung zwischen England und Frankreich verantwortlich. Dies geschah vor allem durch Hamburg.
Nachdem den Frieden von Amiens in 1803 gebrochen war, war die Sperre vor allem gegen Nord-Deutschland und die Flüsse dort problematisch. Aber Post durch Hamburg und Cuxhaven war meistens kein Problem. Deswegen war auch dieser Weg meistens benutzt.

Wie der erster Brief zeigt ist der Brief von Paris nach Hamburg 8.November 1806 geschickt, aber hier wahrscheinlich nicht mit der Post?. Oben rechts sieht man einen schwacheren Hamburg Datumstempel von 14. November. Rückseitig findet man einen FO Ankunftsstempel von 27. November, so dass die Zeit verwendet war nur 19 Tage. Der Empfänger in London musste hier 1 Sh 6 Pence bezahlen.

Der zweite Brief ist ganz anders und wahrscheinlich sieht man hier die Wirkung von die Kontinentalsperre, oder auch die Wirkung von die französische Okkupation von Hamburg. Der Brief war in Paris 14. November 1806 geschrieben. Der erste Brief hat 6 Tage zwischen Paris und Hamburg benutzt - wenn man die gleiche Laufzeit hier braucht, landet der Brief in Hamburg 20. November. Nur ist es so dass die Franzosen Hamburg 19. November besetzt hatten, so dass man sich ein grosser Chaos denken kann.
Und 21. November hat Napoleon in Berlin die Wirtschaftsblockade gegen England gekündet. So es kann sein dass der Brief einige Schwierigkeiten erlebt hatte. Wie man hier rückseitig sieht ist der Brief erst in London zu Post gebracht. Hier nicht mit einem FO Stempel versehen sondern ein Stadtpoststempel. Der Brief kostete deswegen nur 2 Pence für den Empfänger.
Und die Laufzeit? Satte 60 Tage


Viele Grüsse
Nils
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2

Thursday, September 25th 2014, 10:11am

Hallo Nils,

ich lese beim 2. Brief vorne "9", keine 2.

Schönes Paar mit prima Erklärung. :P
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

3

Thursday, September 25th 2014, 10:52am

Hallo bayern klassisch

Ja, kein zweifel kann man es als 9 lesen. Aber di Engländer war nicht so genau bei die Vermerke. Ähnliche 2/9 sieht man auch bei Innlandbriefe, und diese sind nicht immer einfach zu deuten. Ich habe auch zuerst geglaubt dass es ein 9 von Frankreich war, aber das kann nicht der Fall sein. Hier ist es ein London Lokalbrief und diese kostete wie hier 2 Pence.

Viele Grüsse
Nils
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4

Thursday, September 25th 2014, 2:41pm

Hallo Nils,

ich hatte auch zuerst eine franz. 9 gelesen, aber wenn es eine GB 2 sein soll, ist das auch in Ordnung.
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

5

Thursday, September 25th 2014, 6:17pm

Hallo Freunde

@bk Ab 1801 war es in London 2 Pence Porto (vorher 1 Pence). Ab 1805 hat sich es etwas geändert so dass die zwei Pence nur für ein engeren Radius gültig war. Da es keine andere Stempel als ein normalen Stadpost-Stempel gibt halte ich der Brief postalisch für ein London Stadtpostbrief. Wie 9 etwas überhaupt passen sollte kenne ich nicht.


Hier ein anderen Brief aus diese interessante Zeit.
Auch von Königreich Holland aus gab es jetzt auch Schwierigkeiten. Den Postgang war auch von Holland aus gesperrt. Es gab aber viele Möglichkeiten ein Brief über den Kanal zu bringen. Wie zum Beispiel über Dänemark wie man es hier sehen kann.
Der brief war in Amsterdam 3. Februar 1807 geschrieben, kam 14. Februar über Kopenhagen und 25. Februar nach London wo der Brief weiter nach Leith in Scottland gebracht war. Also kam der Brief an nach etwa 24 Tage was gar nicht so schlecht war.

Hier sieht man dass der Brief zuerst über ForeignPo lief so dass man eine "normale" Landung in Englan erwarten kann.

Der Brief gehörte die 2. Gewichtsstufe:
2 x 1 Sh 6 P Auslandstaxe bis London = 3 Sh
London-Edinburgh (Leith) = 1 Sh 10 Pence
Insgesamt macht es die hier notierten 4 Sh 10 Pence

Viele Grüsse
Nils
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6

Thursday, September 25th 2014, 7:19pm

Hallo Nils,

wieder ein interessantes Stück - vor vielen, vielen Jahren habe ich einmal eine Spezialsammlung Briefeschmuggel während der Kontinentalsperre gesehen, die auch phantastisch war.

Leider weiß ich nicht mehr, wo und wann ich das Exponat gesehen habe, aber es wäre sicher toll, diese Slg. hier im Forum zeigen zu können.
Liebe Grüsse vom Ralph

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7

Thursday, September 25th 2014, 8:17pm

Hallo Freunde


@bk Ich glaube man kann diese Zeit eine Lebensstudium machen, und immer was neues finden. Und hier ist nicht nur postgeschichtliche Quellen wichtig aber auch eine Menge andere Quellen, ob es von Archiven oder vom Literatur kommt.
Und das beste ist das es nicht schwierig ist gute Belege zu finden (aber das sollte man vielleicht nicht schreiben).



Wenn wir in 1807 sind, zeige ich sofort eine zweiten Brief aus Amsterdam. Diesmal nach Manchester an den berühmten Geschäftsmann und Bankier Rothschild geschickt.
Hier sehen wir eine andere Anlauf-Möglichkeit. Der Brief hat vorne ein Ship-Letter Stempel. Öfters haben die Stempel auch eine Stadtname von der Stadt wo der Brief gelandet hat. Dieser Stempel hat es nicht, und dass heisst dass der Stempel von London stammt und dass der Brief irgendwo in England gelandet war und wo es kein Ship-Letter Stempel gab und auf Briefe die vorher nicht postalisch behandelt waren.
Der Brief war 4. April geschrieben und landete in London 22. April. Hier sehen wir auch der Stempel von GPO London wo der Brief weiter nach Manchester geschickt war.
Genau welcher Laufweg es hier gewählt war kann man nicht wissen, aber Schmugelbriefe von Holland aus war kein Problem. Erst wenn Napoleon Holland unter Frankreich gelegt hat wird es bei die Grenzen dichter.

Viele Grüsse
Nils
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8

Sunday, September 28th 2014, 5:17pm

Hallo Freunde

Das Problem ging ja nicht nur einen Weg - von Kontinent nach England, aber auch in die umgekehrte Richtung wie dieser Brief zeigt. Einen Brief von Manchester nach Botzen in Bayern 1807 musste durch Umwege bis zum Ziel laufen.

Der Brief war 5. Februar 1807 geschrieben und war wohl über Harwich und Husum in Dänemark geschickt und lief dann weiter über Altona nach Hamburg. In Hamburg war der Brief 18. März zum Post gebracht und landete bei Mentz 28. März. Eine relativ lange Laufzeit, aber der Brief kam hin.

Der Absender in Hamburg hat 9 Skilling Lb bezahlt und der Empfänger 19 Kreuzer Rh. Hier hat das bergische Postamt in Hamburg den Brief an Taxis übergeben und Taxis hat der Brief bis die Tiroler Grenze gebracht wo Bayern erst dann den Postsack übernommen hat.

Viele Grüsse
Nils
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9

Sunday, September 28th 2014, 6:14pm

Hallo Nils,

selten, schön, hochinteressant - zu dieser Bombe gratuliert dir jeder Sammler. :P :P :P

Wenn man dieses Gebiet sammelt, sind m. E. die Inhalte mindestens so wichtig, wie die "Hülle". Denn es musste ja Absprachen getroffen werden, die umfangreich waren und nicht selten vlt. 5 oder gar 6 Parteien betrafen, damit das ganze klappte.
Liebe Grüsse vom Ralph

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10

Sunday, September 28th 2014, 6:28pm

Hallo bayern klassisch

Der Brief hat Inhalt, und es muss ich später naher studieren.

Dass es Absprachen gab - sicherlich. Aber diese Absprachen war öfters schon da. Briefe mit waren zu schicken war zu dieser Zeit normaler als man es später sehen kann. Kontakte zwischen die Unterschiedlichste Städte waren sehr verbreitet. Mit Banken, Spediteure, Händler, Umschlagsplätze - you name it.

So wenn jemand einen Brief in die Hände bekommt wusste man sofort was zu tun, und die Bezahlung kam dieses Jahr oder in 10 Jahre. Es ist dann nicht immer in Briefe zu finden wie man sich geordnet hatte und wer der Brief weiter gebracht hatte.


Viele Grüsse
Nils
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11

Sunday, September 28th 2014, 6:36pm

Hallo Nils,

die großen Handelsbeziehungen gab es schon mit den Kreuzzügen, aber im 18. und 19. Jahrhundert finden wir ein massiges Auftreten, weil die Wirtschaft in Schwung kam. Die Details hier zu kennen (anhand der riesigen Menz - Korrespondenz oder der von Huth z. B.) wäre m. E. wichtig, also wer mit wem welche Absprachen hatte und diese Absprachen könnten in Briefen erhalten geblieben sein.
Liebe Grüsse vom Ralph

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Sunday, September 28th 2014, 8:04pm

die großen Handelsbeziehungen gab es schon mit den Kreuzzügen, aber im 18. und 19. Jahrhundert finden wir ein massiges Auftreten, weil die Wirtschaft in Schwung kam.



Hallo bayern klassisch

Ja, ist richtig.
Hier muss man aber achten wie die Geschäftsleute, Käufer, Verkäufer, Bankleute und so weiter sich getroffen hatten. Bis in die ende der 18. Jahrhundert waren die Messen der wichtigste Platz um Geschäfte zu machen. Dann brauchte man keine Briefe. Die Produsenten hat auch nach und nach gesehen dass es möglich die Produkte selbst zu Verkaufen war, statt es durch reisende Kaufleute zu machen. Die Wirtschaften waren schon lange in Schwung gekommen vor man es durch Korrespondenzen sehen konnte. Und hiervon sind für die Sammler nur einige bekannt.



Die Details hier zu kennen (anhand der riesigen Menz - Korrespondenz oder der von Huth z. B.) wäre m. E. wichtig, also wer mit wem welche Absprachen hatte und diese Absprachen könnten in Briefen erhalten geblieben sein.




Um besseren Wissen zu kommen muss man viel breiter suchen. Sehr viele wichtige Korrespondenzen sind nicht für die Sammler zugänglig. Zum Beispeil gibt es bei die meisten Rothschild Briefe nach Manchester/London kein Inhalt. Wenn man aber die Geschäftsgeschichte liest versteht man wie einfach es zu schmugeln war, welche Umfang die es gemacht war und auch welche Wege es benutzt war. Interessant ist dass nachdem der Weg über Holland ab 1811 fast unmöglich geworden war, ist der Schmugelweg über Frankreich geleitet geworden. Aber wichtig hier war dass Rothschild Wertpapiere geschmugelt hatte und nicht Stahl oder Baumwolle, so dass er es einfacher hatte sein Bankwirtschaft weiter zu machen als ein Stahlhändler.


Um die Zeit zu verstehen muss man halt viel nicht direkt postgeschichtliches lesen um dadurch sehr viel postgeschichte zu lernen. Man kommt die Taxierungen nicht naher, aber man lernt wie, warum, wo und zu weiter was ja auch zu den Kernwissen zählt.


Du hast Huth genannt, der deutscher der nach Spanien reisten und in 1809 nach England ziehen musste. Er hat in Spanien sehr viele Reisen gemacht und neue Leute kennengelernt die Später wichtig geworden sind. Darf ich hier mal einen Brief zeigen der ein relativ frühen Brief an ihn aus Spanien nach London geschickt war. Es ist nicht unbedingt einen Brief der man unter die Fahne "Kontinentalsperre" stellen muss, da England und Spanien schon ab 1795/96 keine Postbeziehungen mehr hatten. Aber in gegenteil zu aus anderen Länder war es von Spanien aus schon möglich Briefe nach England zu schicken da die Regierung in Cadiz mit Unterstützung von England ein Packetschluss nach Falmouth eingerichtet hat. Es war aber nicht einfach von überall Spanien ein Brief nach Cadiz zu bringen so man musste andere wege benutzen.
Dieser Brief aus 1810 ist aber aus Cadiz und ist an Huth i London geschickt. Huth musste für dieser Brief 4 Shilllinge bezahlen, was eine doppelten Brief aus Spanien kostete. 3. September geschrieben und 2. Oktober angekommen.

Viele Grüsse
Nils
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13

Sunday, September 28th 2014, 8:19pm

Hallo Nils,

ich stimme in Allem mit dir überein - nur hätte ich halt gerne mal die präzisen, individuellen Abmachungen gesehen. Die pauschalen Regelungen sind uns Postgeschichtlern klar.

Ein toller Brief, der die Geschichte pur widerspiegelt. :P
Liebe Grüsse vom Ralph

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Sunday, September 28th 2014, 8:54pm

nur hätte ich halt gerne mal die präzisen, individuellen Abmachungen gesehen



Hallo bayern klassich

Solche Abmachungen sind nicht einfach zu finden, ob überhaupt hat man unheimlich Glück gehabt.
Hier war es viel implizit gemacht ohne dass es explizit gennant war.

Hinweise zu konntakte gibt es aber in zahlreiche Briefe.

Viele Grüsse
Nils
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15

Saturday, October 18th 2014, 8:37pm

Hallo Freunde

Ich möchte Heute Abend wieder einen Brief aus Königreich Holland der nach Grossbitannien geschickt war zeigen.

Wie die meisten Briefe an Rothschild zu dieser Zeit ist den Inhalt weggeschnitten, aber die Absenderdaten gelassen. Somit kan man sicher feststellen dass der Absender Braunsberg & Co in Amseterdam war und dass das Datum 7.11.1810 war.
Wie der Brief von Amsterdam nach England geschickt war, weiss ich nicht. Aber wir Wissen von der Rothschildforschung dass schmugeln von Briefe über den Kanal von Holland aus nicht schwer war, noch. Vielleicht kann die vorderseitige Vermerke ein Hinweis sein, was ich aber noch nicht deuten kann.

Der Brief landete in Sheerness und vorserseitig sehen wir der seltene Sheerness Ship Letter Stempel der nur in 1810 verwendet war. Von dort aus lief der Brief nach London wo Rothschild jetzt wohnte (seit 1807). Der Brief war hier mit 1 Shilling Porto belastet.

Viele Grüsse
Nils
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Monday, December 17th 2018, 8:09pm

Hallo Freunde

Dieser Brief ist 15. April 1814 in Lübeck geschrieben und nach Bordeaux geschickt. Aber nicht der direkter Weg.
Napoleon war in Paris und hat eben abgedankt, den 12. April.

Warum dieser Brief nicht den direkten Weg geschickt war, ist nicht einfach zu beurteilen. Möglicherweise weil die Postwege noch nicht ganz sicher waren. Der normale Weg von Lübeck aus war den über Hamburg. In April 1814 waren aber die Franzosen immer noch in Hamburg und die Post dort war für die Franzosen jetzt nicht das wichtigste, anderen Machten waren vor der Tür und wollten die Franzosen jagen (dazu kam es aber erst in Mai 1814).
Dänemark hatte schon einen Postweg über Lübeck und Holstein nach Hannover um Hamburg umzugehen. Dieser Weg war wohl auch nicht der besten und den weiteren Postweg bis nach Bordeaux war wohl auch nicht 100% sicher.

Der Weg über England schien jetzt als ein besseren Alternativ, ohne zu behaupten dass der Weg deswegen gewählt war. Der Absender in Lübeck hatte schon einen Vermittler in London, so die Möglichkeit über England war da rein praktisch durch zu führen. Der Dover-Calais war erst 18. April geöffnet und der Absender hat das wohl nicht geahnt. Aber Briefschmuggel über den Kanal war weit verbreitet und immer sicherere nachdem Napoleon sein macht verloren hatte. Auch der Postweg über Grossbritannien-Spanien war möglich.


So wie so. Der Brief ist von Lübeck nach London privat an der Vermittler Zimmermann gebracht.
Zimmermann hat der Brief weiter nach Bordeaux geschickt und jetzt also über Dover-Calais. Für die Strecke hat er 3 Shilling 6 Pence bezahlt was heisst 3 Sheets. Im Text ist es auch 2 anderen Briefe erwähnt die im Brief eingelegt sind; ein Brief von Hamburg und ein Brief von Kiel.
Somit war der Brief auch in Frankreich etwas schwerer, nämlich 15 Gram. Somit musste der Empfänger 25 Decimes bezahlen.


Es war nicht immer einfach sein Wein zu bekommen, aber mit einige Umwegen war es möglich.
Und wer die Möglichkeiten kannte hat auch anderen geholfen.


Viele Grüsse
Nils





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17

Monday, December 17th 2018, 9:37pm

Hallo Nils,

ein super Brief, aber bist Du Dir sicher mit den 95 décimen?

Für mich sind das 25 décimen, die sich nach dem Inlandtarif von 1806 aus der 9. Entfernungsstufe (801 bis 1000 km) in Verbindung mit der 5. Gewichtsstufe (15 bis 20 g) zusammensetzen, also aus 10 décimen x 2,5 = 25 décimen.

Viele Grüße von
nitram

18

Tuesday, December 18th 2018, 8:29am

Hallo nitram

He, he, nein 95 Decimes darf es wohl nicht sein. :)

Danke für die Berichtigung. Will es in der Beschreibung ändern.

Viele Grüsse
Nils
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