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Saturday, June 3rd 2017, 2:00am

DAP China

Tientsin - Kaiserslautern 04.08.1901

Verehrte Sammlerfreunde,

im Juni 1900, als in China der Aufstand der Boxerbewegung gegen den europäischen, us-amerikanischen und japanischen Imperialismus bereits zu zahlreichen Ausschreitungen geführt hatte, sah sich das Deutsche Reich durch die Ermordung seines Gesandten Freiher von Ketteler in Peking schwer brüskiert. Freiwillige aus allen Abteilen des Deutschen Reichsheeres wurden aufgerufen um lt. der "Hunnenrede" Kaiser Wilhelms II. vom 27.07.1900 "das schwere Unrecht, das geschehen ist, zu sühnen". Bereits am 03.07.1900 hatte man in Deutschland das Ostasiatische Expeditionskorps in einer Stärke von ca. 19.000 Mann, 861 Geschützen unter dem Oberbefehl von Generalleutnant Emil von Lessel aus Freiwilligen aufgestellt.

Auch aus Bayern hatten sich zahlreiche Freiwillige gemeldet, u.a. aus dem in der Festung Germersheim stationierten 17. Infanterieregiment „Orff“. Davon durften 56 Unteroffiziere und Mannschaften und ein Offizier den China-Zug mitmachen. Bei letzterem handelte es sich um den Verfasser der nachstehend abgebildeten Feldpostkarte, Oberleutnant Jakob Danner (1865-1942), welcher am 08.07.1900 wunschgemäß ins Ostasiatischen Expeditionskorps versetzt wurde, wo er sich im Einsatz mehrfach auszeichnete. Seine gegen Ende des Niederschlagung des Boxeraufstandes im August 1901 nach Hause in die Pfalz gerichteten Zeilen wie folgt:


Meine Lieben ! Im Begriff nach Japan über Amerika heimzureisen mit 3 monatl. Urlaub
erhalte ich Befehl mich unverzüglich beim 2 Batl. 2. Rgts (?),
welches in Triest landet einzufinden und dort die 8. Komp. zu übernehmen.
Ich bin hier (Tientsin 4.8.01) auf der Durchreise nach Peking.
Ich fahre mit Franz Ferdinand, treffe nach meiner ??? ca. 15. September in Triest ein.
Alles früher Geschriebene ist dadurch über den Haufen geworfen.
Ich trete das Kommando gerne an, hoffe auf ein schönes Erlebnis.
Grüß die ??? Euer aller Jakob


Nach seiner Rückkehr in die Heimat übernahm Danner unter gleichzeitiger Beförderung zum Hauptmann eine Kompanie im 20. Infanterieregiment "Prinz Franz" und führte diese bis 1907. Nach zahlreichen weiteren Versetzungen nahm er im I. Weltkrieg an verschiedensten Einsätzen sowohl an der West- als auch der Ostfront teil. König Ludwig III. nahm ihn aufgrund seiner Leistungen am 01.12.1916 als Ritter in den Militär-Max-Josef-Orden auf, was mit der Erhebung in den Adelsstand verbunden war (Ritter von Danner).

Nach dem I. Weltkrieg erfolgte die Übernahme in die Vorübergehende Reichswehr, ab 01.10.1919 wurde er Leiter Stadtkommandantur München und zum 01.07.1921 zum Generalmajor erhoben. Während des Hitlerputsches am 8. und 9. November 1923 in München ergriff Danner frühzeitig und entschlossen Maßnahmen gegen die Akteure. Er schied am 31.07.1925 als Generalleutnat aus dem aktiven Dienst und wurde in den Ruhestand verabschiedet. Danner war später erster Präsident des bayerischen Kriegerbundes sowie zweiter Präsident des Reichskriegerbundes Kyffhäuser.

+ Gruß !

vom Pälzer

verwendete Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig…9EOrff%E2%80%9C
http://wiki-de.genealogy.net/Ostasiatisc…ps_(Kaiserreich)
http://www.dghu.de/17er/geschichte/historie.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_von_Danner

Pälzer has attached the following images:
  • Tientsin-Kaiserslautern 1901-08-04.jpg
  • Tientsin-Kaiserslautern 1901-08-04 rücks.jpg

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2

Saturday, June 3rd 2017, 11:25am

Hallo Tim,

was für eine Poka! Hammerteil! Besser geht es wohl kaum, oder?

Text: "... nach meiner Rechnung ..." und "Grüß die L´hafener u. ???".
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

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Saturday, June 3rd 2017, 12:23pm

Hallo Ralph,

und ich sitze bald Stunden über ein Wort das von allen in dem Text noch zu den eigentlich gut lesbaren gehört....eije :rolleyes:...Danke !


Besser geht es wohl kaum, oder?

...das sieht für pfälzer Verhältnisse schon so bissi danach aus, ich habe aber mittlerweile gelernt: Bei Bayern is halt nie nix auszuschließen. :thumbsup:

+ Gruß !

Tim

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Thursday, November 29th 2018, 10:46pm

Tsingtau - Pirmasens 02.02.1900

Hallo Sammlerfreunde,
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anbei ein sehr schöner, vollständig mit Inhalt erhaltener Kolonien-Vorläuferbeleg mit DR Mi-Nr. 47d, welcher knapp 1 1/2 Monate auf den Weg von China ins linksrheinische Bayern benötigt hat. In diese Zeit fällt der sich seit etwa Herbst 1899 abzeichnende Boxeraufstand, gegen jenen auch das rückseitig vermerkte Kaiserlich III. Seebataillon eingesetzt war. Es war jedoch schon weitaus früher in China stationiert worden. So hatte Kaiser Wilhelm II. nach Ermordung der beiden deutschen Missionare Nies und Henle in China am 1. November 1897 Befehl zur sofortigen Besetzung der Kiautschou-Bucht erteilt.
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Dazu hatte u.a. unter dem Kommando von Prinz Heinrich von Preussen, dem jüngeren Bruder des Kaisers und Chef des Ostasiatischen Kreuzergeschwaders, das III. Seebataillon (Cuxhaven) am 16. Dezember 1897 Wilhelmshafen verlassen und traf gegen Ende Januar 1898 als Verstärkung der Landungsabteilung in Kiautschou ein. Die lange sechswöchige Seereise wurde mit Gymnastik, Zielübungen, Exerzieren und Unterricht ausgefüllt. Oftmals kam es jedoch schon bei der Überfahrt zu ersten Verlusten durch Krankheit und Hitze.
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Das Bataillon war auf dem deutschen Kolonial-Stützpunkt Qingdao stationiert, der Haupstadt des seit 6. März 1898 von China für 99 Jahre gepachteten und seit 27. April 1898 unter Schutz gestellten "Deutschen Schutzgebiets von Kiautschou". Von dort aus schreibt - stellenweise etwas unklar und rätselhaft - der der 1. Kompanie des III. Seebataillons angehörige Seesoldat Ludwig Koelsch an seinen Freund Ludwigs Semmler in Pirmasens wie folgt:
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Tsingtau 1. Febr(uar) 1900
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Lieber Freund,
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Deinen v(om) 20.12.1899 von der König-Karls-Brücke Stuttgart-Cannstatt, ab Pirmasens ist mir soeben geworden (?) und erwiedere alle darauf befindlichen Grüße. Meine Abreise aus dem deutschen China-Lande ist immerhin noch 1. Jahr und da erinnerst du mich an die an dich versprochenen Wünsche zu erfüllen.
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Wie du aber aus obigem Orth siehst bin ich schon einige Monate in obigem Grenz-Detachement (30 Mann) abkommandirt und kann dir leider hier deine Wünsche nicht erfüllen, denn hier ist es nicht als in Tsingtau, aber so wie ich heute Meldung erhalten habe, soll ich im Monat März von hier abgelößt werden, um in der Comp(agnie) einen anderen Posten verwalten muss, welchen bis jetzt noch ein alter Mann vertritt, sobald dies stattgefunden hat, werden alle deine Wünsche somit es in meinen Kräften steht erfüllt.
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Aber das Weihnachtsgeschenk, wie du schreibst überlaße ich euch, denn ihr werdet es auch mißen, was der Soldat annimmt (alles) und zu jeder Zeit. Du schreibst mir, dass ich dir etwas über das Leben, Sitten und Gebräuche mitheilen soll und ich will dir eine kleine Schilderung ablegen.
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Weiteres wirst Du in nächster Zeit in der Pirm.(asenser) Zeit.(ung) lesen. Das Leben ist hier sehr schmachhaft, was hauptsächlich das Klima anbetrifft, denn dies ist hier sehr ungesundt abwechselnd und möchte ich keinem mehr zureden nach hierher zu gehen und das Leben wegen Krankheit auf das Spiel setzen.
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Diesen Sommer wegen der schlechter Witterung leider 64 Kameraden mit Civil gestorben, was wir dieses Jahr nicht hoffen wollen. Über Dienst und ??? Minasche ??? kann man nicht klagen. Gegenwärtig treibt sich hier eine große Räuberbande herum, welche wir Tag und Nacht feste verfolgen, auch schon viele festgenommen.
Zum Preisschiessen auf S.(einer) M.(ajestät) Geburtstag habe ich mir auf 200 mtr. den 5. Preis erworben.
Ohne mehr grüßt Dich nebst dem Vater und Geschwistern dein Freund Ludwig
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Bei den Wünschen des Adressaten wird es sich wohl um philatelistische gehandelt haben. Interessant ist der Verweis auf die heimische Presse, man wusste wohl um das große Interesse daheim an den Geschehnissen während des Boxeraufstandes in China. Das aus vier Kompanien Infanterie, einer berittenen Kompanie Kaulianghusaren und einer Batterie Feldartillerie bestehende III. Seebataillon wurde während dessen von Quindao nach Zhili versetzt und dort in mehrere Kontingente aufgeteilt.
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Unter dem Befehl von Oberleutnant zur See Graf von Soden machten sich 50 Soldaten des III. Seebataillons aus Tsingtau, auf den Weg nach Peking, wo sie am 1. Juni 1900 eintrafen und mithalfen, die dortigen Gesandtschaften zu schützen. Ein weiteres Kontigent war kurzfristig bei der Entsetzung Tientsins in der Provinz Petschili eingestzt, weitere kleinere Etappenkommandos waren an der Bahnlinie Taku-Peking stationiert.
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Gegen Ende des Boxersaufstandes kam es in der Umgebung von Quindao noch zur Niederschlagung von Restkräften der Boxer und - z.T. alles andere als rühmlichen - Strafaktionen gegen aufständische Städte und Dörfer der Region. Später im 1. Weltkrieg wurde das III. Seebataillon zur Verteidigung der Festung Tsingtau eingesetzt, welche am 7. November 1914 kapitulieren musste. Nach der Niederlage der deutschen Truppen gegen die Japaner kamen insgesamt rd. 4.700 Deutsche in japanische Kriegsgefangenschaft.

Viele Grüße
.
vom Pälzer

verwendete Quellen:
https://books.google.de/books?id=hUFJAAAAQBAJ&pg=PT58&lpg=PT58&dq=qingdao+%2B+iii.+seebataillon&source=bl&ots=e4ZJiTYjPw&sig=m5bXFtoNsH9FNhqd-hjQUe75mr4&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiol6HymvreAhWPMewKHUqECTE4ChDoATACegQIBxAB#v=onepage&q=qingdao%20%2B%20iii.%20seebataillon&f=false
https://books.google.de/books?id=mWxE9Jb…llon%20&f=false
https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&…FGJS4w5nz9w8WG7
Pälzer has attached the following images:
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  • Tsingtau-Pirmasens 1900-02-02 Inhalt1.jpg
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