You are not logged in.

oisch

Experte

Posts: 113

Location: Neustadt / Weinstrasse

  • Send private message

141

Saturday, October 13th 2018, 11:41pm

Hallo BK,
Danke für die Antwort und den Hinweis auf die Literaturstelle in Helbigs Bayer.Postgeschichte.
Demzufolge wäre der Brief von Lengfurt nach Gimmeldingen bis 1 Loth schwer (von dem Brief habe ich nur die Hülle ohne Inhalt, Gewicht kann also stimmen) und somit
6 Kr. einfacher Brief 12-18 Meilen,
3 Kr. Gewichtsprogression,
1 Kr. Transitgebühren für Baden.

Macht summa summarum die ausgewiesenen 10 Kr.
Um beim Wachenheim Brief auf die 12 Kr. zu kommen, müsste ich beim einfachen Brief - 0,5 Loth und einer Entfernung von 24-30 Meilen = 10 Kr. 2 Kr. Transit draufschlagen.
Warum jetzt 2 Kr.und nicht ebenfalls 1 Kr. ?(

Da stehe ich jetzt wohl noch auf dem Schlauch
Gruß Klaus
Wer später bremst,
ist länger schnell !

Posts: 21,483

Location: Südhessen

Occupation: Privatier

  • Send private message

142

Sunday, October 14th 2018, 8:51am

Hallo Klaus,

von Lengfurt - Gimmeldingen (für die Post war der Zielort Neustadt/Haardt, weil Gimmeldingen keine Poststelle hatte) waren es knapp 27 Meilen, also nach dem Tarif vom 1.1.1843 bis 1/2 Loth 10x postalisch. Die 3x für den Cantonsboten spielten hierbei ja keine Rolle. Bei höheren Gewichten spielte der Tarif von 1843 ja keine Rolle. Leitung über Taxis, daher keine Transitgebühren.

Bamberg - Wachenheim waren 27 Meilen und hätten auch 10x gekostet, jedoch hat Bayern hier 2x Transitgebühren draufgeschlagen (Baden). Vermutlich hat man das pauschal gemacht (2x je Brief) und nach Gewicht an Baden abgeführt und war somit immer auf der sicheren Seite.

Alternativ lief er auch über Taxis, was möglich war, dann hätte er auch 10x kosten sollen und Bamberg hat sich verrechnet bzw. lag damals eine falscher Entfernungseintrag vor.
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

oisch

Experte

Posts: 113

Location: Neustadt / Weinstrasse

  • Send private message

143

Monday, October 15th 2018, 7:35pm

Hallo Ralph,
vielen Dank für die Erläuterungen.
Bei der Beschäftigung mit diesen sogenannten Vorphilateliebelegen wird mir immer wieder bewußt, welch geniale Idee hinter dem System der Vorausfrankierung per Briefmarke steckt.
und wie dadurch letztendlich eine Vereinfachung des gesamten Postwesens eingeleitet wurde. Der "Kunde" der damaligen Zeit hatte doch so gut wie keinen Einblick in das komplexe Tarifsystem und bezahlte halt, was ihm sein Gegenüber am Schalter oder als Bote abverlangte.

Gruß Klaus
Wer später bremst,
ist länger schnell !

Posts: 21,483

Location: Südhessen

Occupation: Privatier

  • Send private message

144

Monday, October 15th 2018, 7:46pm

Hallo Klaus,

bist du in der ARGE Bayern klassisch? Wenn ja, dann habe ich genau hierzu im vorletzten Rundbrief einen längeren Artikel geschrieben ...
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

oisch

Experte

Posts: 113

Location: Neustadt / Weinstrasse

  • Send private message

145

Tuesday, October 16th 2018, 12:42pm

Hallo Ralph,

Quoted

bist du in der ARGE Bayern klassisch?

(Noch) nicht, habe aber schon seit längerem mit dem Gedanken gespielt.
Also werde ich dem "Wink mit dem Zaunpfahl" nicht ausweichen und mich um eine Mitgliedschaft in dem erlauchten Kreis bewerben.

Lässt sich das rückwirkend noch für das gesamte Jahr 2018 arrangieren (selbstverständlich inkl. Beitrag), so dass ich noch in den Genuss der beiden diesjährigen Rundbriefe
(soweit noch vorrätig) komme ?
Gruß Klaus
Wer später bremst,
ist länger schnell !

Posts: 21,483

Location: Südhessen

Occupation: Privatier

  • Send private message

146

Tuesday, October 16th 2018, 1:28pm

Hallo Klaus,

famoser Gedanke - unser Erdinger lässt da sicher mit sich reden, wenn du ihm eine PN schickst. ;)
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

Posts: 21,483

Location: Südhessen

Occupation: Privatier

  • Send private message

147

Saturday, October 27th 2018, 11:27am

Liebe Freunde,

alte Schlachtschiffe der Postgeschichte wie ich glauben manchmal, schon (fast) alles gesehen zu haben. Oft haben wir Recht - hier aber nicht, denn solch einen Brief kannte ich bisher noch nicht, jedenfalls nicht in dieser Schwere ...

Geschrieben am 1.8.1843 in Englburg, ca. 25 km Fußmarsch nach Vilshofen, dort am Folgetag aufgegeben und gerichtet an:

Seiner Excellenz dem Hochgebornen Herrn Herrn Maximilan Grafen von Seyssel d´Aix, K. Bayer. Kämmerer, Generallieutnant, Capitaine des Gardes, Inhaber mehrerer hohen Orden in München

Die Aufgabepost setzte als innerbayerisches Porto für Briefe über 12 bis 18 Meilen sagenhafte 1 Gulden 15 Kreuzer fest. Ein einfacher, bis 1/2 Loth schwerer Brief kostete bei dieser Entfernung 6 Kreuzer, jedes weitere halbe Loth kostete folglich 3 weitere Kreuzer, so dass wir hier einen Brief der 24. Gewichtsstufe vor uns haben.

Bei einer Entfernung von 17,6 Meilen nach München ist von Vilshofen auszugehen - der Absender hätte den Brief auch nach Grafenau oder Freyung bringen können, was nicht weiter war, als nach Vilshofen, aber dann wäre der Brief in die nächst weitere Entfernungszogen über 18 bis 24 Meilen gefallen und hätte einfach 8 Kr. und so wie hier 1 Gulden 42 Kreuzer gekostet ...

Im Inhalt oben links sehen wir auch den Grund für das Gewicht, schrieb doch der Empfänger "Beilagen remitirt" (also zurück gegeben) und tatsächlich waren Grundstücksauszüge damals beigefügt worden, die ihn so schwer machten (11 1/2 bis 12 Loth = 66g bis 75g).

"By the way" - oft fragen mich Sammler anderer Gebiete, ob das Porto/Franko eines Briefes von Bayern stimmen könnte, weil es ihnen so hoch erscheint, schließlich weisen diese Briefe keinerlei Gewichtsnotationen oder Vermerke wie "mit Beilage", "mit Unterbund", "mit Akten" usw. auf und ich entgegne dann immer, dass sie das nicht mussten und die bayer. Post i. d. R. nur Fahrpoststücke wog und das Wiegeergebnis vermerkte, bei der Briefpost wie hier aber einfach hoch taxierte und es damit bewenden ließ.

Aber zurück zu unserem Brief - der Empfänger war einer der höchsten Würdenträger Bayerns und die festgesetzte Taxe wurde auf Kosten der Staatskasse gestrichen, weil dieser passiv portofrei in Bayern war, also eh nie etwas bei Portobriefen zu zahlen hatte. Daher hatte auch der Absender auf die Frankatur verzichtet, wäre er doch hier mit 1 Gulden 15 Kreuzer dabei gewesen und das Geld wäre fort gewesen.

Oft wird der Begriff "Unikat" in Beschreibungen eingesetzt, aber nur besserer Standard gezeigt - hier dürfte dieses Wort keiner Fehleinschätzung unterliegen ...
bayern klassisch has attached the following images:
  • 005.jpg
  • 004.jpg
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

woodcraft

Experte

Posts: 185

Location: Mitten im Saarland

Occupation: ja

  • Send private message

148

Tuesday, October 30th 2018, 1:06pm

Hallo Ralph,
dein Beleg ist klasse, und die Beschreibung dazu wie immer hervorragend. Ohne diese hätte ich die Besonderheit dieses
Beleges nicht erkannt.
Und ich denke, der Beleg ist genau beim richtigen Sammler gelandet.
viele Grüße von woodcraft

Posts: 21,483

Location: Südhessen

Occupation: Privatier

  • Send private message

149

Tuesday, October 30th 2018, 3:39pm

... danke sehr - freut mich, wenn du Beleg und Beschreibung adäquat findest. :)
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"