You are not logged in.

ottakring

Experte

Posts: 18

Location: Göttingen

  • Send private message

21

Wednesday, February 8th 2012, 3:02pm

Hallo in die Runde,

ich hoffe, dass ich keinen falschen Zungenschlag in die Diskussion einbringe, aber ich möchte einiges hier richtig stellen. Auch wenn mir nur Sekundärliteratur zur Verfügung steht, ist folgendes festzustellen:

ad 1) der ersten Brief wurde in Wien beim Filialamt Wieden aufgegeben. Es handelt sich um ein, aus dem Stempel zu ersehendes Filialamt (eines von fünf Filialämtern) der Stadtpost in Wien. Die Stempel der Stadtpost durften NUR auf der Briefrückseite abgeschlagen werden. Der Brief wurde dann der „großen“ sprich Staatspost übergeben, daher der rote „Wien“ – Stempel in Kursiv.

ad 2) Der vom Absender bezahlte Portoanteil wurde IMMER auf der Briefrückseite notiert, hier ist die Regel (zumindest in Österreich): bezahlte Taxe auf der Briefrückseite mit vorderseitigem Tintenkreuz, bzw. einem Schrägstrich bei Bezahlung bis zur Grenze oder bei früher möglichen sog. 1/2 franko Briefen, bei denen sich Absender und Empfänger das Porto teilten oder eine Partei Portofreiheit genoss. Bei unfreien Briefen natürlich auf der Vorderseite.

ad 3) Es gibt von Herrn Hubert Jungwirth einen kleinen Artikel zu dem Thema, den ich wie folgt zitieren möchte:

Die Schweiz war bis 1.10.1849 kein einheitliches Postgebiet, sondern bestand aus bis zu 15 kanto­nalen Postgebieten mit eigenen Tarifen. Die Folge waren ebenfalls untereinander geschriebene Taxen. Allerdings waren diese nicht zusammenzuzählen, weil die höchste Zahl bereits die gesamte Gebühr anzeigte und die kleineren nur den Gebührenanteil anderer Kantone.

Beispiel: Auf diesem einfachen Brief von Wien nach Wohlen vom 23.8.1831 wurden auf der Vorderseite (rechts unten) mit Rötel als Grenzfranko bis Bregenz 14x CM. angeschrieben, die der Absen­der bezahlt hat.

Der Brief lief im geschlossenen Paket bis Zürich, Dort wurden mit roter Tinte 6x für den „Transit" durch den Kanton St. Gallen an­geschrieben, dann die 10x für die Strecke Zürich-Wohlen ergänzt und unter dem Bruchstrich das gesamte Porto von 16x rh. für den Empfänger taxiert.

Dazu wurde folgender Brief und die Graphik veröffentlicht.


In einem zweiten Beitrag zeige ich noch zwei Belege aus meinem Bestand

Mit vielen Grüßen

Ottakring
ottakring has attached the following images:
  • Schweiz_Jungwirth.jpg
  • Schweiz_Graphik.jpg

22

Wednesday, February 8th 2012, 3:14pm

ad 2) Der vom Absender bezahlte Portoanteil wurde IMMER auf der Briefrückseite notiert, hier ist die Regel (zumindest in Österreich): bezahlte Taxe auf der Briefrückseite mit vorderseitigem Tintenkreuz, bzw. einem Schrägstrich bei Bezahlung bis zur Grenze oder bei früher möglichen sog. 1/2 franko Briefen, bei denen sich Absender und Empfänger das Porto teilten oder eine Partei Portofreiheit genoss. Bei unfreien Briefen natürlich auf der Vorderseite.
Hallo Ottakring

Danke für die Antwort zu diese Briefe.

Du schreibst dass die der vom Absender bezahlte Portoanteil immer auf der Rückseite notiert ist. Dein Satz hier ist etwas missverständlich.
Was der Absender bezahlt heisst wohl eigentlich "Franko". Der von dir gezeigte Brief zeigt vorderseitig was der Absender bezahlt hat, also die 14 Kreuzer CM mit schwachen Rötel vermerkt. So was der Absender bezahlt hat sieht man doch oft auf die Vorderseite wenn es Teilfrankiert ist, wohl eher selten wenn vollfrankiert.

Viele Grüsse
Nils
Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

ottakring

Experte

Posts: 18

Location: Göttingen

  • Send private message

23

Wednesday, February 8th 2012, 3:17pm

Hier nun die angekündigten Briefe:

Der erste Brief von 1847 zeigt sehr schön, dass er über Zürich lief und hat alle entsprechenden postalischen Hinweise.

Der Reco-Brief von 1848 wurde bei der Stadtpost Hauptbriefsammlung Nr. 67 (andere Bezeichnung als Filialamt durch die Reorganisation der Wiener Stadtpost 1847) aufgegeben, trägt vorderseitig auch den relativ seltenen Reco-Stempel der Stadtpost und die restlichen postalischen Vermerke lasse ich einmal unkommentiert.
ottakring has attached the following images:
  • Brief_22.10.1847.jpg
  • Brief_30.1.1848.jpg

ottakring

Experte

Posts: 18

Location: Göttingen

  • Send private message

24

Wednesday, February 8th 2012, 3:21pm

Hallo Nils,

Du hast vollkommen recht, die 14 Kr bis zur Grenze sind neben dem Schrägstrich die Österreichische Taxe,

Grüße Ottakring :(

25

Wednesday, February 8th 2012, 4:08pm

Hallo Ottakring

Du hast gute Briefe :)

Eben die vorderseitig vermerkten Frankogebühre hat mich auch zum Anfang an verwirrt. Wohl auch anderen.
Wie lange man es in Österreich eigentlich praktiziert hat, weiss ich nicht, aber ich meine dass es immer seltener wird.

Viele Grüsse
Nils

PS! Die Texte von Jungwirth ist immer sehr lesenswert, und wer Österreich Vorphila sammelt, muss die Heften unbedingt kaufen :)
Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

26

Saturday, October 15th 2016, 5:44pm

Hallo Freunde

Hier ein interessanter Brief von Trieste nach Tschierv in Graubünden, Schweiz in april 1820 geschickt.

Der Brief lief von Trieste aus als normaler Auslandsbrief nach Schweiz. Dann konnte man auch eine Leitung über Feldkirch erwarten oder auch über Milano und nach nord.

Dieser Brief ist aber nach Bolzano gerichtet und hat dort den Ankunftsstempel 12. April erhalten. Von Bolzano lief der Brief dann weiter mit der Bote über Münsterthal, was auch vermerkt ist. Genau wo der Austausch mit dem Graubündner Bote geschah weiss ich nicht. Aber Mals in Österreich wäre ein Idee weil es dort auch einen Briefsammelstelle gab.

So wie so, der Empfänger musste 2 Blutzger an der in Münsterthal tätige Bote bezahlen.


Viele Grüsse
Nils
Bayern-Nils has attached the following images:
  • Trieste-Tschierv 6.4.1820.jpeg
  • Trieste-Tschierv 6.4.1820 bak.jpeg
Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

27

Thursday, June 14th 2018, 7:37am

Liebe Sammlerfreunde,hierzu folgender Brief:
Brief aus Wien vom 4. Juli 1819, franko Grenze und Leitweg "über Innsbruck und Nauders"
(beide Orte in Österreich). Der Absender bezahlte für den doppelt schweren Brief 28 Kr.C.M.
bei der Briefaufgabe. In Nauders wurde der Brief dem Unterengadiner Boten übergeben, der
nach seinen Botengang diesen Brief mit der Forderung von 8 Kr.rh. = 12 Bluzger, dem Ober-
engadiner Boten übergab. Dieser rechnete bis Bevers weitere 8 Bluzger dazu, so daß der
Empfänger insgesamt 20 Bluzger Porto bezahlte (mit Bleistift vorne und hinten vermerkt).
Erst am 8.2.1820 schloss Graubünden mit Österreich einen Postvertrag ab, der ab 1.11.1820
in Kraft trat.
Beste Grüße von VorphilaBayern
VorphilaBayern has attached the following images:
  • Wien-Bevers.4.7.1819.01.jpg
  • Wien-Bevers.4.7.1819.02.jpg
  • Wien-Bevers.4.7.1819.03.jpg
  • Wien-Bevers.4.7.1819.04.jpg
  • Wien-Bevers.4.7.1819.05.jpg