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Friday, May 4th 2018, 6:58pm

Unvorschriftsmäßige Verwendung von Nummernstempel

Liebe Freunde,
nachfolgend zeige ich einen Ortsbrief, frankiert mit der 2 Sgr.-Kopfausgabe auf glattem Grund. Der Brief stammt zwischen 20.11.1857, Ausgabe der Marke April 1857 und 31.3.1859, da dort die Entwertung mit Nummernstempel aufgehoben wurde.
Nummernstempel mussten je einmal auf jeder Marke aufgesetzt werden, so dass sowohl mehr als zwei davon auf einer Marke als auch nur einer auf zwei Marken unvorschriftsmäßig waren.
Hier wurde der Stempel Nr. 103 von Berlin gleich zwei mal aufgesetzt, also vorschriftswidrig.
Der Brief hat aber noch ander Qualitäten. Ich habe lange überlegt, ihn bei Sophi einzustellen, wußte aber nicht wo genau er passt. Die Empfängerin Frau Gräfin Poninska war nämlich eine Persönlich keit besonderer Art. Nachfolgend einen Auszug aus Wikipedia:
Gräfin Adelheid Poninska, + 14.8.1804 in Kotzenau, +9.6.1881 in Leipzig.
Adelheid war die Tochter des preußischen Offiziers und Großgrundbesitzers Wilhelm Burggraf und Graf zu Dohna-Schlodien (1769–1837) und der Friederike Gräfin von Reichenbach-Goschütz (1785–1839). 1841 heiratete sie Adolph Graf Poniński (1801–1878), mit dem sie sich 1869 in Leipzig niederließ, wo sie 1881 kinderlos starb.]
Sie machte sich angesichts des vor allem durch die Landflucht während der Industrialisierung verursachten extremen Wachstums der Großstädte und der damit einhergehenden Wohnungsnot Gedanken um eine mögliche Abhilfe dieses Problems im Rahmen der Stadtplanung. Von ihr stammt das 1874 erschienene und viel beachtete Werk „Die Großstädte in ihrer Wohnungsnot und die Grundlagen einer durchgreifenden Abhilfe“, das sie allerdings aus der Sorge heraus, als Frau nicht ernstgenommen zu werden, unter dem Pseudonym „Arminius“ veröffentlichte. In diesem Buch skizziert sie die mögliche Anlage von Gartenstädten und Wohnblocks mit weiten Innenhöfen, was der damaligen Bauweise von Mietskasernen mit zum Teil vier und mehr engen Hinterhöfen diametral entgegengesetzt war. Die Gedanken Poninskas wurden dann allerdings erst im 20. Jahrhundert, lange nach ihrem Tod, aufgegriffen und umgesetzt. Zwar zeigte man sich auch zunehmend im Bürgertum besorgt über die Wohnverhältnisse der Arbeiter, von denen man einen sittlichen Verfall befürchtete, doch standen einer durchgreifenden Änderung vor allem die Interessen der Wohnungsspekulanten entgegen, die von einer möglichst engen Bebauung am meisten profitierten.
Seit 1997 trägt eine Straße in Berlin-Staaken ihr zu Ehren den Namen „Adelheid-Poninska-Straße“

Viele Grüße
Erwin W.
preussen_fan
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  • Bf-Mi6 Ortsbrief BERLIN 20 11 5-6Nm 2 Nummernstempel.jpg

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Saturday, May 5th 2018, 12:06pm

liebe Freunde,
ich zeige mal ein weiteres Stück, bei dem der Postbeamte drei mal den Nummernstempel abschlug, bevor er zufrieden war. Davon ist einer sogar blanko, was auch gegen die Regel war.
Bei den weiteren Stücken sind "nur" zwei Abschläge drauf.
viele Grüße
Erwin W.
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  • BfStck-Mi1-NrStp-567-HADMERSLEBEN-mit blankoabschlag.jpg
  • Bf-Mi3-Doppelentwertung-NrStpl-907-KaIV-MAGDEBURG-BAHNHOF-6-1-1855.jpg
  • BfStck-Mi3-NrStp-153-Bolkenhain-mit blankoabschlag.jpg
  • BfStck-Mi4-Doppelentwertung-NrStpl-255.jpg

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3

Saturday, May 5th 2018, 12:13pm

Lieber Erwin,

eine sehr schöne und interessante Strecke - die Blankoabschläge auf mehrfach ge- bzw. überstempelten Marken dienten wohl dazu, die Nummer gut lesen zu können, weil das durch die Verstempelung nicht mehr möglich war.
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

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4

Sunday, May 6th 2018, 1:59pm

lieber Ralph,
ich gehe auch davon aus, dass der Postbeamte in diesen Fällen versuchte, einen lesbaren Stempel zu produzieren. Von diesen Belegen gibt es aber nicht viele. Meiner Meinung nach war die blanko- oder Mehrfach-Verwendung von Nummernstemoeln nicht gestattet.
Vielleicht kennt einer der Preußen-Sammler eine Belegstelle dafür?
Der nächste Beleg zeigt einen wohl vergeblichen Mehrfachversuch, den Stempel ordendlich auf die Marke zu bringen, so dass der Nummernstempel schlussendlich noch einmal blanko abgeschlagen wurde. Ob der Postbeamte in seiner Verzweiflung dann die verstempelte Marke abgerissen hat, ist nicht mehr feststellbar. ;)
Das Briefstück der 1 Sgr.-Marke der ersten Ausgabe zeigt eine handschriftlich verbesserte Nummer.
beste Grüße
Erwin W.
preussen_fan
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  • Mi2-blanko-Nummernstempel-355-Düren-Aachener-SoFo.jpg
  • BfStck-2xMi2-NrStpl-1406-handschriftl-verbessert.jpg

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Sunday, May 6th 2018, 2:27pm

Lieber Erwin,

sehr interessante Stücke, so etwas liebe ich - bei Bayern war es strickt verboten, schlechte bzw. fehlende Ziffern manuell "upzugraden". Wenn du in 30 Jahren 10 Marken oder Briefe findest, die genau das zeigen, bist du ein großer Sammler ...
Liebe Grüsse vom Ralph

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Sunday, May 6th 2018, 3:01pm

Lieber Ralf
Ich bin jetzt schon ein großer Sammler, nämlich 1,93 m. ^^
Beste Grüße von Erwin W.

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Sunday, May 6th 2018, 4:39pm

Lieber Erwin,

donnerwetter - da schlägst du mich glatt um 6 cm!

Halten wir also fest: Ein großer und ein mittlerer Sammler stellen starke Gemeinsamkeiten zwischen der Stempelung in Bayern und Preussen fest. :)
Liebe Grüsse vom Ralph

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Sunday, May 6th 2018, 6:21pm

Lieber Ralph,
leider verbessert mein iPhone Ralph zu Ralf und manchmal übersehe ich das.
Aber Ärwin wird dann mit h geschrieben, also Ährwin, Freund des Getreides bedeutet das. :rolleyes:
Viele Grüße
Erwin W.

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9

Sunday, May 6th 2018, 7:43pm

Lieber Erwin,

in "meinem" 19. Jahrhundert dienten die Maschinen noch den Menschen, nicht umgekehrt. Sic transit gloria mundi ...
Liebe Grüsse vom Ralph

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Monday, May 7th 2018, 6:36pm

liebe Freunde,
hier noch ein zwei garantiert nicht erlaubte Stücke. Der Nummernstempel musste auf jede Marke gesetzt werden.
beste Grüße
Erwin W.
preussen_fan
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Michael

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Thursday, May 17th 2018, 5:47pm

Liebe Freunde,

hier ein Paar der 6 Pfg. mit nur einem Nummernstempel.



Und eine Zugaufgabe von Magdeburg nach Thorn von 1855.



Der Nummernstempel wurde zwar mustergültig sauber aufgesetzt, aber lt. Vorschrift war die Nummer vollständig auf der Marke zu platzieren.

Gruß
Michael
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12

Thursday, May 17th 2018, 7:58pm

Lieber Michael,

das Paar war wohl Teil einer größeren Einheit? Am schönsten ist Preussen bei waagrechten Einheiten, wenn jede Marke zentrisch getroffen wurde.

Der Bahnpostbrief ist aber auch ein lecker Teilchen ... :P :P
Liebe Grüsse vom Ralph

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13

Thursday, May 17th 2018, 8:09pm

Lieber Michael,
Ein schöner Beleg. Solche Stempelabschläge findet man nicht so häufig.
Beste Grüße
Erwin W.