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41

Friday, March 4th 2016, 8:32am

Liebe Freunde,

über die "Qualitäten" Augsburgs muss man nichts sagen - gewissen Taxierungen sind dort abgegeben worden, die Bayern viel Geld gekostet haben.

Hier scheint mir wieder so ein Fall vorzuliegen: Geschrieben in Langres am 21.8.1845 im 3. Rayon zu Bayern (C.F.3.R.) lief er über Strasbourg und Augsburg nach München. Da München keinen eigenen Kartenschluss mit Strasbourg hatte, war Augsburg als 1. bayer. Post gefordert, die fremden und eigenen Taxierungen vorzunehmen.

Wie wir an allen hier gezeigten Briefen aus dem 3. Rayon Frankreichs gesehen haben, wenn sie einfachen Gewichts waren, wie hier, wurden 20 Kr. für diesen Teil angesetzt und 18 Kr. für die Strecke ab Kehl bis München.

Hier hatte man auch tatsächlich 20 Kr. zuerst notiert und darauf seinen Auslagestempel abgeschlagen, dann aber mit 14 Kr. (??) korrigiert. In Folge dessen musste auch das Gesamtporto von 38 Kr. (bekam eins ausgewischt) auf völlig falsche 32 Kr. reduziert werden. Bayern gingen also mal wieder 6 Kr. "dank" Augsburg verloren.

Wie es richtig war, zeigt ein Brief aus Lyon vom 30.8.1831, der unter den gleichen Kriterien 20 Kr. für Frankreich im Auslagestempel Augsburgs zeigt, zu denen das Inlandsporto bis München mit 18 Kr. korrekt addiert wurde.
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Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

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42

Tuesday, April 26th 2016, 5:38pm

Liebe Freunde,

heute zeige ich einen schnuckeligen Brief aus dem schönen Paris vom - tja, von wann eigentlich?

Der Inhalt hilft weiter, dachte ich, bis ich sah, dass der Absender mehrfach zur Feder gegriffen hatte, um ihn endlich abzuspedieren. Der 1. Teil in schwarzer Tinte geschrieben, datiert vom 11.7.1843.

Am 17.7.1843 griff er wieder zur Feder, diesmal in entzückendem Rot. Doch waren noch nicht alle Informationen vor der Versiegelung notiert worden, so dass er am 18.7.1843, jetzt wieder mit schwarzer Tinte, noch eine Beifügung unterschrieb.

Letztlich zeigt uns der Aufgabestempel den 19.7.1843 und viel Neues scheint an diesem Tag nicht mehr dazu gekommen zu sein, denn der frankierte Brief wog immerhin noch unter 7,5g. Siegelseitig erkennen wir das Franko von 15 Decimes mit der französischen Aufteilung von 7 Decimes und 8 Decimes (was ich so noch nicht gesehen hatte), wobei Bayern 20 Kr. (vorne oben rechts) bekam, also die 7 Decimes für sich überwiesen bekam.

Da es noch keine P.D. - Stempel gab, reichte hier auch der P.P. für Port payé aus, um Bayern klar zu machen, dass hier nichts mehr rechts des Rheins zu kassieren war. Die Leitung über Forbach - Saarbrücken (Preußen) und Homburg am 20.7.1843 ist auch belegt und durch die Rötel - 20 (Kreuzer) siegelseitig verifiziert worden.

Interessant noch die Adressse: Aus Georg Emmerling wurde "George" und aus Nürnberg wurde "Nüremberg", ein Wortschöpfung, die es so niemals gab. "Abgabe im silbernen Ritter in der neuen Gasse" war aber auf deutsch geschrieben worden, weil man in Nürnberg wohl keinem sonst getraut hätte.
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43

Friday, July 29th 2016, 2:31pm

Liebe Freunde,

gäbe es eine Preis für den anonymen Brief - der hier könnte ihn bekommen!

Wer ihn als Postgeschichtslaie sieht, versteht erst einmal "Bahnhof". Kein Aufgabeort zu erkennen und einen Ort namens "Auguste" kennt man auch nicht - eher ist Auguste als ältlicher Vorname geläufig.

Der erfahrene PO-Sammler aber erkennt in dem Dreieckstempel oben rechts das "P" von Paris, zu dem passend der C.F.3.R Correspondance Francais Troisième Rayon - Stempel abgeschlagen wurde.

Er datiert vom 28.2.1824 und war nach Augsburg gerichtet, das ja viele Namen hatte, z. B. auch Augusta für die Sendungen aus Italien usw..

Einfache Briefe aus dem 3. franz. Rayon kosteten 20 Kr. fremdes Porto bis zur Grenze Strasbourg/Kehl und 16 Kr. ab da für Bayern. Da er 1/2 Loth wog (s. oben links), fiel er unter die schweren Briefe, so dass Augsburg 30 Kr. notierte für Frankreich und darüber gleich den Endbetrag von 54 Kr. schrieb, wobei sich die Differenz aus 16 + 8 = 24 Kr. zusammen setzte. Auf seinen Auslagestempel verzichtete man bei diesem Loco - Brief, der am 5.3.1824 ausweislich seiner Empfängernotiz in Augsburg angekommen war.

Wer den Inhalt interpretieren kann und etwas Aufsehenerregendes darin findet, darf es gerne hier zum besten geben. :)
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44

Friday, July 29th 2016, 7:17pm

Schönes Zeitdokument und wieder wie aus dem Ei gepellt

ich liebe solche Inhalte.

Der Augsburger hatte per Brief den Verkauf irgendwelcher Aktien geordert. Das Geschäft ist aber geplatzt da das Schreiben 3 Tage zu spät in Paris ankam.
In einem zweiten Schreiben hatte der Augsburger um die Stornierung eines Aktienkaufes gebeten und um die Rückerstattung der schon geleisteten Anzahlung.

Das Schreiben behandelt nun eben diese Rückerstattung. Es lagen 2 Wechsel bei der eine zahlbar am 13 April in Hamburg die Zweite zahlbar am 28 Mai. Die gesamt Summe 11.566,40 hat Blanc Colin an diesem Tage (28.2) von seinem französischen Konto abgebucht

Dann gibt er noch Nachricht über den Einbruch irgendwelcher Werte des Augsburgers tagsdavor, die Aufmerksamkeit der Spekulanten (?) war auf die Wahlen gerichtet ........



Legislative Wahlen hatten in Frankreich am 25 Februar statt gefunden, dein Beleg wurde am 28 geschrieben. Konnte nur einen Link in franzäsischer Sprache finden

https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89lect…A7aises_de_1824
Phila-Gruß

Lulu

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45

Friday, July 29th 2016, 7:21pm

Liebe Lulu,

ich danke dir. :P :P

Klasse auch, was du wieder alles rausbekommen hast - Spitze! Heute würden sich die Parteien über derartige Wahlergebnisse freuen - vorausgesetzt, sie wären nicht in der Opposition. :thumbsup:

Die Beträge schienen mir auch recht hoch zu sein - verarmt war der Augsburger folglich nicht.
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46

Friday, July 29th 2016, 7:36pm

tja wenns um Banken geht !

https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Benedikt_Schaezler

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Lorenz_von_Schaezler



Jacques Antoine Blanc und Barthélémy Colin hatten sich zusammen getan --> Name der Bank J.A Blanc, Colin et Cie, mit sitz in Paris in der rue d'Artois nr 33
Phila-Gruß

Lulu

This post has been edited 3 times, last edit by "Zockerpeppi" (Jul 29th 2016, 7:52pm)


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47

Friday, July 29th 2016, 8:10pm

... wenn es um Banken geht, gibt es nur eine wahre Koryphäe - dich. :P :P

Vielen Dank für die Links - klasse!
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48

Friday, May 19th 2017, 12:52pm

Liebe Freunde,

ein nettes Brieflein nach dem PV Bayerns mit Frankreich vom 1.1.1822 datiert Paris, den 4.2.1824, gerichtet an Monsieur Benoise Schwarz in Nürnberg zeigt nur den Pariser "P" - Stempel in zweifach suboptimaler Ausfertigung in rot und den ebenfalls dort abgeschlagenen C.F.3.R für Correspondance Francais Rayon 3, wohin Paris gehörte.

Als fremdes Porto setzte man in Nürnberg (Kartenschluß Forbach - Nürnberg) 18 Kreuzer an, zu denen man für Bayern weitere 18 Kr. addierte, so dass der Empfänger total 36 Kreuzer bezahlen musste. Auf einen Auslagestempel verzichtete man in der mittelfränkischen Metropole, wie so oft bei sogenannten "Loco - Briefen", also Briefen, die vor Ort zugestellt wurden und nicht weiter laufen mussten.
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49

Wednesday, May 16th 2018, 3:06pm

Liebe Freunde,

hätte man auch unter der Rubrik "Der besondere Brief" einstellen können, aber die gibt es noch nicht hier.

Portobrief aus Paris vom 23.9.1845 an (hier darf ich die Franzosen bitten, mir die Anschrift zu transkribieren) in München. Unten links lese ich: "Poste restante ???". Auch hier hätte ich gerne gewußt, was der Rest zu bedeuten hat.

Der Brief aus dem 3. Rayon Frankreichs zu Bayern kostete 20 Kreuzer von Paris bis Strasbourg und 18 Kreuzer von Kehl nach München (einfaches Gewicht), in summa 38 Kreuzer. Da er nicht ausgeliefert wurde (bei der Handschrift kein Wunder!), notierte man siegelseitig: "A Mr le Comte de la Grange a Baden Baden".

Zu den 38 Kreuzern kamen daher nochmals 12 Kreuzer Gemeinschaftsporto nach dem Postvertrag Badens mit Bayern vom 1.8.1843 hinzu, so dass unser Graf de la Grange total 50 Kreuzer zu zahlen hatte (Portoteilung: 20 Kreuzer für Frankreich = 7 Decimes, 18 + 6 Kreuzer für Bayern und 6 Kreuzer für Baden). In München war er am 29.9.1845 eingegangen und er scheint am 1.10.1845 von dort - trotz poste restante - nach Baden Baden abgegangen zu sein. Offenbar kam in der Zwischenzeit ein Nachsendeersuchen zum Vorschein, welches am 29.9. noch nicht vorgelegen hatte.

Auch wenn der Brief nicht ganz vollständig ist, halte ich ihn für ein seltenes Poststück, bei dem bis auf die Lesbarkeit der Anschrift, alles passt.
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50

Wednesday, May 16th 2018, 3:20pm

Unten links lese ich: "Poste restante ???". Auch hier hätte ich gerne gewußt, was der Rest zu bedeuten hat.

hallo bayern klassisch,

dort steht: "poste restante ou faire suivre", also "postlagernd oder nachzusenden".

besten Gruß
Michael

51

Wednesday, May 16th 2018, 3:36pm

ergänzend:

der Empfänger war General Comte de la Grange Pair de France

besten Gruß
Michael

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52

Wednesday, May 16th 2018, 3:56pm

Hallo Michael,

vielen Dank für die Auflösung des poste restante - Vermerks ... da hat man in Paris offensichtich schon etwas geahnt. Hätte ich nie lesen können.

Danke auch für den Link zur Person - also ein Promi damals, wie bei so vielen Briefen.
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