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Michael

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Wednesday, December 21st 2011, 4:38pm

preußische Post auf fremdem Staatsgebiet

Liebe Freunde,

es gab kleinere Staatsgebilde, in denen ausnahmsweise nicht Thurn&Taxis das Postregal innehatte, sondern die preußische Post.
Der folgende Brief stammt aus einem solchen Gebiet:



Der Brief lief im Jahre 1855 von Pyrmont in das gerade mal 2 Meilen entfernte Blomberg (Fürstentum LIppe-Detmold) - berührte dabei aber 3 Staatsgebiete.

Die Stadt Pyrmont gehörte zum Fürstentum Waldeck-Pyrmont. Dieses Fürstentum bestand aus 2 räumlich getrennten Landesteilen, der Grafschaft Waldeck und der wesentlich kleineren Grafschaft Pyrmont.
Dieses kleine Fürstentum war für die preußische Post (in der Voreisenbahnzeit) von strategischem Interesse, da man eine sichere Verbindung zwischen den östlichen und den 1815 hinzugekommenen neuen, westlichen preußischen Provinzen suchte. Der Transitpostkurs sollte von Köln über Arolsen (in Waldeck) nach Cassel und Halle führen. Im Fürstentum Waldeck-Pyrmont hatte Thurn&Taxis das Postregal mit Auflösung des Königreichs Westfalen zunächst auf 20 Jahre erhalten. 1834 (mit Auslauf des 20-jährigen Vertrags von 1814 zwischen Waldeck und Thurn&Taxis) gelang es preußischen Unterhändlern in Geheimverhandlungen mit Waldeck das Postregal zu übernehmen - was zu mehrjährigen Verstimmungen und Drangsalierungen zwischen Thurn&Taxis und der preußischen Post in diesen Gebieten führte, die erst mit dem beiderseitigen Vertrag von 1840 ausgeräumt wurden.
Finanziell war die postalische Betreuung dieses Fürstentums immer ein Zusatzgeschäft.

Aus den gleichen Beweggründen hatte die preußische Post in Lippe-Detmold Fuß gefasst. Hier bestanden aber preußische Postanstalten neben lippeschen und taxis'schen. Mit der Fertigstellung der Eisenbahnverbindung von Minden nach Magdeburg verlor Preußen das Interesse an seinen Poststationen im Lippeschen - da auch diese ein Zuschußgeschäft waren - und übergab diese in einem Vertrag 1845 an Thurn&Taxis.

Zwischen beiden Fürstentümern lag die Stadt Lügde, ehedem zur Grafschaft Pyrmont gehörig, ab 1802 bzw. dann wieder ab 1815 preußisches Territorium, ohne direkte Verbindung mit anderen preußischen Landesteilen (aber mit preußischem Postamt).

Nun zu dem eigentlichen Brief.
Von Pyrmont, Fürstentum Waldeck-Pyrmont, lief der Brief nun nicht die direkte Strecke in das benachbarte Blomberg, sondern auf einem preußischen Postkurs über das preußische Lügde nach Rischenau in Lippe-Detmold.
Rischenau war ein Wechselpunkt, da der preußische Postkurs Höxter-Minden sich hier mit dem thurn&taxis'schen Postkurs Richtung Lemgo-Rinteln traf.
Heute ist Rischenau ein Stadtteil von Lügde.
Mehr ist eigentlich nicht zu dem Brief zu sagen: 1 Sgr. Porto für die Entfernungsstufe bis 10 Meilen ...

Zur Verdeutlichung anbei noch eine Karte:


Viele Grüße
Michael
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2

Wednesday, December 21st 2011, 7:09pm

Lieber Michael,

Quoted

Mehr ist eigentlich nicht zu dem Brief zu sagen: 1 Sgr. Porto für die Entfernungsstufe bis 10 Meilen ...


toll, was du aus diesem recht unscheinbaren Briefchen heraus geholt hast - immer wieder interessant, was der Postverein (und die Zeit davor natürlich) an feiner PO zu bieten hat.

Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

Michael

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3

Saturday, June 30th 2012, 7:42pm

Liebe Freunde,

dem lieben @magdeburger verdanke ich den folgenden kleinen Brief, der ebenfalls aus dem Fürstentum Waldeck-Pyrmont stammt:



Der Brief wurde 5.6.(1851/53) in Pyrmont an den Herrn Pastor Crome Hochehrwürden in Rade vorm Wald, Kreis Lennep, Rheinprovinz geschrieben.
Nach Zuleitung über lippesches Territorium wurde er am Folgetag über die Eisenbahnstrecken Paderborn-Hamm und Dortmund-Elberfeld transportiert.
Von Elberfeld ging es dann per Kutsche ins Bergische Land nach Radevormwald. Zustellung dort am 7.6.
Interessant an den Kursstempeln ist die Angabe des 3. bzw. 4. Zuges an diesem Tag. Ein schon recht reger Verkehr.

Es fielen 3 Sgr. Porto für den einfachen Brief > 20 Meilen an.

Viele Grüße
Michael
Preußen mit Transiten

Michael

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4

Monday, September 23rd 2013, 8:22pm

Das oldenburgische Fürstentum Birkenfeld

Liebe Freunde,

das
Oldenburgische Fürstentum Birkenfeld
bildete eine linksrheinische Exklave des Großherzogtums Oldenburg.



Das Gebiet war als Entschädigungsleistung auf dem Wiener Kongreß Oldenburg zugeschlagen worden. Das Postregal war 1817 an Thurn & Taxis übergeben worden.
1834 verkaufte der Herzog von Coburg-Sachsen-Saalfeld das benachbarte Fürstentum Lichtenberg (Hauptorte St. Wendel und Baumholder) gegen eine jährliche Rente von 80.000 Talern an Preußen. In diesem Fürstentum hatte bis dahin auch Thurn & Taxis das Postlehen inne. Durch diese Änderung war nunmehr die Taxis-Post in Birkenfeld ringsum von preußischer Post umgeben. Im Jahre 1837 lief der auf 20 Jahre befristete Vertrag zwischen Oldenburg und Thurn & Taxis aus. Er wurde nicht verlängert und das Postwesen an Preußen übergeben.





Der Brief wurde am 5.7.(1859 oder später) in Köln aufgegeben und war nach
Idar bei Oberstein
Oldenburg Birkenfeld
adressiert.

Die Freimachung erfolgte mit einem 1 Sgr.-Couvert (U11a) und einer Zusatzfrankatur von 1 Sgr. (Mi.-Nr.10a) zu insgesamt 2 Sgr. für die Entfernung bis 20 Meilen.
Der Brief war in Idar nicht zustellbar, der Briefträger notierte nicht in Idar, weggezogen nach ...(?)
Außerdem strich er das "bei" vor Oberstein und notierte ein in darüber.
Dorthin wurde der Brief gegen ein Landbestellgeld von 1 Sgr. (Blaustrich) gebracht und noch am selben Tag zugestellt, siehe rs. beide Ausgabestempel.

Viele Grüße
Michael
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5

Monday, September 23rd 2013, 9:19pm

Liebe Sammlerfreunde,



folgenden Brief möchte ich zeigen:

Barfrankierter Brief (fr. 1 Sgr.- bis 1 Loth bis 10 Meilen) von Nohfelden
(Preußische Postanstalt im Fürstentum Birkenfeld zum Großherzogtum
Oldenburg gehörig), nach Annweiler in der Pfalz (Bayern) vom 14.4.1852.
Adreßseitig Durchgangsstempel von Neunkirchen an der Saar, Homburg
und Zweibrücken, sowie Ankunftsstempel von Annweiler.

Beste Grüße von VorphilaBayern
VorphilaBayern has attached the following images:
  • Nohfelden-Annweiler.1852.01.jpg
  • Nohfelden-Annweiler.1852.02.jpg

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6

Monday, September 23rd 2013, 9:35pm

Lieber VorphilaBayern,

auch wenn heute Abend @Pälzer wegen deiner Rosine schlechter schlafen wird, als ich ( :D ), kann man dir dazu nur graulieren - genau 10 Meilen Entferung hat man nicht allzu oft im Postverein gehabt, klasse!
Liebe Grüsse vom Ralph

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Michael

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Tuesday, September 24th 2013, 7:01pm

Hat niemand eine Idee zu der Ortsbezeichnung in #4, wohin der Brief weitergeleitet wurde?
Es müsste eine Ortsschaft in der Nähe von Oberstein sein, wenn die Interpretation stimmt.

Viele Grüße
Michael
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Tuesday, September 24th 2013, 7:20pm

Lieber Michael,

"nicht in Idar ???, vielleicht in - Oberstein - ".

Zuerst hat man versucht, ihn in Idar zuzustellen, dann in Oberstein, wo der Empfänger auch war (s. 2. D-Stempel).
Liebe Grüsse vom Ralph

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Tuesday, September 24th 2013, 7:33pm

Lieber bayern klassisch,

so kann man es lesen, danke.
Dann wäre der Brief tatsächlich nach Oberstein selbst gelaufen.

Viele Grüße
Michael
Preußen mit Transiten

10

Tuesday, December 31st 2013, 12:47pm

Liebe Sammlerfreunde,

hierzu folgender Brief von Pyrmont (Fürstentum Waldeck-Pyrmont /
preußische Postanstalt) in das nahe Lippspringe (Preußen) vom 17.
August 1851. Der Brief durchlief das Fürstentum Lippe-Detmold und
kostete dem Empfänger 1 Sgr. Porto und 1/2 Sgr. Ortsbestellgeld in
Lippspringe (siegelseitig vermerkt).

Beste Grüße von VorphilaBayern
VorphilaBayern has attached the following images:
  • Pyrmont-Lippspringe.1851.01.jpg
  • Pyrmont-Lippspringe.1851.02.jpg

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Sunday, February 23rd 2014, 3:44pm

Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt

Der größte Teil des in Thüringen liegenden Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt gehörte zum Postgebiet von Thurn und Taxis. Nur drei im preußischen Staatsgebiet liegende Enklaven gehörten zum preußischen Postbezirk. In diesen Enklaven befanden sich 2 Postanstalten: Frankenhausen und Schlotheim.

Die Karte stammt übrigens von der Seite www.ieg-mainz.de.

Anbei ein Nummernstempelbrief aus dem Jahr 1851 mit dem vorphilatelistischen Aufgabestempel FRANKENHAUSEN.
preussensammler has attached the following images:
  • pSK848Thueringen_a4_mb.gif
  • pr_2a_0422_br.JPG

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