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balf_de

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1

Monday, May 9th 2011, 9:46pm

Badische Fahrpost

Hallo zusammen!

Am Wochenende habe ich bei meinem Messebesuch in Essen diesen Brief gefunden:

Einen Wertbrief mit "Actenstücken" im Wert von 2 Gulden 12 Kr., der wohl Ende der 1840er Jahre von Heidelberg nach Königshofen (in die nordöstlichste Ecke Badens, nach "Badisch Sibirien" -) ging, das knapp 90 km von HD entfernt ist. Genau datierbar ist die leere Briefhülle leider nicht; der Stempel 05717 ist lt. Baden-Handbuch Band 1 ab 1847 bekannt. Auch zu Beginn der Markenzeit wurde er von der Fahrpost weiterverwendet, aber ausschließlich in schwarz.

Wertbriefe wurden zu dieser fraglichen Zeit ausschließlich durch die Fahrpost befördert. In K. Löffler's "Geschichte des Verkehrs in Baden" (Karl Winters Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1910) habe ich eine Tabelle mit Fahrpost-Tarifen aus dem Jahr 1841 gefunden für "Versendungen, die nach dem Werthe zu taxieren sind", wozu laut Kommentar neben "Sendungen in gemünztem oder ungemünztem Gold und Silber, ferner Edelsteine" auch "Staats- und andere geldwerthen Papiere" zählten, so wohl auch die Aktenstücke an das löbliche Pfandgericht.

Die Tabelle weist für einen Wert bis zu 5 Gulden incl. und einer Entfernung von 12 1/2 bis 14 Meilen incl. eine Gebühr von 8 Kreuzern aus - was auch der Taxierung entsprechen würde. Gibt es eine plausible Erklärung für die "2" oberhalb des Bruchstrichs, die auch oben rechts in verblasstem Rot erkennbar ist?

Viele Grüße von balf_de
balf_de has attached the following image:
  • VMZ-Wertbrief HD-Königshofen.jpg

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2

Monday, May 9th 2011, 9:59pm

Lieber Balf_de

wie sah die Bestellung in Baden zu dieser Zeit aus?
Mir scheint, dass der Absender insgesamt 10 Kreuzer bezahlt hat. 8 Kreuzer wie von Dir schon angegeben und wofür sollen die 2 x im Nenner stehen?

Ich frage deshalb, weil der Empfänger das Pfandgericht war.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf

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3

Monday, May 9th 2011, 10:05pm

Lieber balf_de, lieber Magdeburger,

ich denke, dass das Postporto 8 Kr. betrug und das Bestellgeld 2 Kr..

Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

Niemals bin ich weniger müßig, als in meinen Mußestunden. Und niemals weniger einsam, als wenn ich allein bin. Publius Cornelius Scipio "Africanus"

4

Monday, May 9th 2011, 10:48pm

Lieber balf_de, lieber Magdeburger,

die Annahme von bayern klassisch, daß das Bestellgeld 2 Kr. betrug, sind zutreffend. Mit Neuordnung der Fahrposttarife 1941, von balf_de im ersten Beitrag erwähnt, wurden die seit 1834 geltenden Tarife ermäßigt. Der Fahrposttarif betrug für den hier gezeigten Brief 8 Kreuzer. Die Bestellgebühren waren für Geld- oder Valorsendungen nach der Höhe des Wertes festgesetzt:

"Die Postanstalt hat die Obliegenheit, die ankommenden Fahrpoststücke dem im Ort der Postanstalt wohnenden Adressaten in seiner Wohnung zu überliefern, wofür Letzterer außer dem darauf haftenden Porto etc. nachstehende Bestellungsgebühr zu entrichten hat, nämlich:

a. von Geld- oder Valorsendungen von 50 Gulden und darunter, so wie von Paketen, welche nach dem Gewichtstarif taxirt werden, von 2 Pfund und darunter ..... 2 Kreuzer
b. von Geld- oder Valorsendungen über 50 bis 1000 Gulden einschließlich, so wie bei Paketen, welche nach dem Gewichtstarif taxirt werden, über 2 Pfund bis 50 Pfund einschließlich .... 4 Kreuzer;
c. von allen größeren Sendungen ..... 6 Kreuzer."


Die Taxierung von 10 Kreuzer war daher korrekt.

Gruß
Manfred
Wo nichts mehr zu enträtseln bleibt, hört unser Anteil auf.

Ernst Freiherr von Feuchtersleben

This post has been edited 1 times, last edit by "Postarchiv" (May 10th 2011, 12:40am)


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Tuesday, May 10th 2011, 6:25am

Hallo Manfred,

danke für deine Bestätigung. Prima, dass du die Primärliteratur besitzt, dank deren man solche Briefe knacken kann. :)
Bei mir war es nur (gut) geraten. :rolleyes:

Liebe Grüsse von bayern klassisch
Liebe Grüsse vom Ralph

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balf_de

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Tuesday, May 10th 2011, 4:18pm

Hallo Ulf, Hallo bayern Klassisch, Hallo Manfred !

Vielen herzlichen Dank für euere Hilfe! Wie schön, dass es hier sogar Fahrpost-Experten gibt!

Liebe Grüße von balf_de

Michael

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Wednesday, September 14th 2011, 6:42pm

Postvorschuß 1834

Liebe Freunde,

anbei ein Beleg aus dem Jahre 1834:



Von Constanz nach Hattingen, Amt Engen mit einem Postvorschuß in Höhe von 3 Gulden 6 Kreuzer.
Die Brieftaxe betrug für diese Strecke 4 Kr. und die Fahrposttaxe nach Wert (für die Entfernungsstufe 4-6 Meilen und bis zu 9 Gulden) betrug 6 Kr., so dass 3 Gulden 16 Kr. notiert wurden.
Das Bestellgeld in den Landpostbezirk betrug vermutlich 4 Kr., so dass in Summe von dem Stiftungs-Vorstand 3 Gulden 20 Kr. zu bezahlen waren.

Viele Grüße
Michael
Preußen mit Transiten